Anwalt bei Ermittlungen wegen § 184c StGB
Das wichtigste in Kürze
- Wenn gegen Sie wegen § 184c StGB ermittelt wird, sollten Sie unmittelbar einen Anwalt kontaktieren.
- Sie sollten keine Aussage gegenüber der Polizei tätigen sowie keine Unterlagen herausgeben, ohne dies mit einem Rechtsanwalt abzusprechen.
- Kompetente Verteidiger können bei Ermittlungen wegen § 184c StGB häufig eine Einstellung des Verfahrens erreichen.
Wann benötigt man bei § 184c StGB einen Anwalt?
Spätestens wenn die Ermittlungen gegen Sie beginnen, ist es wichtig, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren. Beschuldigte erfahren von den Ermittlungen häufig aufgrund einer Vorladung von der Polizei oder durch eine Hausdurchsuchung. In diesen beiden Fällen sollten Sie unmittelbar einen Rechtsanwalt kontaktieren. Hintergrund ist, dass die Verteidigungschancen umso besser sind, je früher Sie einen Rechtsanwalt kontaktieren. Wenn Sie einen Rechtsanwalt rechtzeitig kontaktieren, besteht die Möglichkeit, eine individuelle Verteidigungsstrategie zu entwickeln. Auf diesem Weg besteht bei § 184c StGB häufig die Möglichkeit, eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens zu erreichen. Wenn Sie also den Verdacht haben, dass gegen Sie wegen § 184c StGB ermittelt wird, sollten Sie schnellstmöglich einen Anwalt kontaktieren.
Welche Strafe droht bei § 184c StGB?
Sollte es zu einer Verurteilung wegen § 184c StGB kommen, liegt die Höchststrafe bei 3 Jahren Gefängnis. Ersttätern droht in der Regel eine Geldstrafe oder eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe. Die genaue Höhe der Strafe hängt von den Umständen im Einzelfall ab. Bei der Strafzumessung wird etwa berücksichtigt, wie viel Material vorliegt, welchen Inhalt das Material hat, ob der Beschuldigte Reue zeigt usw.
Neben der Strafe durch das Gericht hat eine Verurteilung allerdings noch einige weitere Nachteile:
- Verbeamtung & Zulassung: Bei einer Verurteilung wegen § 184c StGB droht der Verlust des Beamtenstatus. Bei zulassungsbedürftigen Berufen, z.B. bei Ärzten oder Anwälten, besteht das Risiko, dass die Berufszulassung entzogen wird. Bei Ersttätern ist das Risiko allerdings gering, dass es zu solchen Konsequenzen kommt.
- Kosten: Wer verurteilt wird, muss die Verfahrenskosten des Gerichtsprozesses tragen. Bei einer Verurteilung wegen § 184c StGB beinhalten die Verfahrenskosten häufig teure Kosten für Gutachter, welche die Handys und Computer auswerten. Entsprechend fallen Verfahrenskosten von mehreren tausend Euro an.
- Führungszeugnis: Eine Verurteilung wird in das Führungszeugnis aufgenommen, sodass zukünftige Tätigkeiten mit Kindern (z.B. als Sporttrainer oder Betreuer) nicht mehr möglich sind.
- Einziehung: Die Geräte, die für die Tat genutzt wurden, werden grundsätzlich eingezogen, also dauerhaft weggenommen. Bei einer Verfahrenseinstellung erfolgt eine solche Einziehung nicht, sodass keine neuen Geräte gekauft werden müssen.
Wie erfolgt die Verteidigung durch den Anwalt bei § 184c StGB?
Die Verteidigung bei § 184c StGB hängt vom konkreten Einzelfall ab. Damit eine Verteidigung die Staatsanwaltschaft und das Gericht überzeugt, ist es wichtig, eine Verteidigungsstrategie für den konkreten Fall zu entwickeln. Nur auf diesem Weg kann es gelingen, die Staatsanwaltschaft davon zu überzeugen, das Verfahren einzustellen.
Für die Verteidigung kommen beispielsweise die folgenden Argumentationen in Betracht:
- Kein Vorsatz: Jugendpornografie wird teilweise Personen ohne oder gegen deren Willen zugeschickt. Insbesondere in WhatsApp-Gruppen mit Teenagern kommt es gelegentlich vor, dass diese Nacktbilder von anderen Jugendlichen verschicken. Je nach Smartphone-Einstellung kann es vorkommen, dass die Bilder automatisch heruntergeladen werden. Wenn die Bilder nicht unmittelbar gelöscht werden, besteht Besitz an Jugendpornografie. Allerdings wissen die Personen häufig nicht einmal von den Smartphone-Einstellungen, sodass kein Vorsatz vorliegt.
- Kein Kind: Jugendpornografie liegt nur vor, wenn die abgebildete Person zwischen 14 und 18 Jahren alt ist. Es kommt dabei nicht auf das tatsächliche Alter der abgebildeten Person an, sondern auf das Alter aus Sicht eines objektiven Dritten. Entsprechend kann häufig argumentiert werden, dass die abgebildete Person kein Kind ist.
- Gleiches Bild: Wenn einer Person vorgeworfen wird, dass tausende Dateien vorliegen, kann häufig erfolgreich vorgebracht werden, dass es sich tatsächlich um das gleiche Bild handelt. Eine Reduktion von tausenden Bildern auf nur eine Handvoll hat häufig zur Konsequenz, dass das Verfahren eingestellt wird.
Was ist Jugendpornografie?
Als Jugendpornografie werden Materialien (z.B. Filme, Bilder, Texte usw.) verstanden, auf denen sexuelle Handlungen von oder mit Jugendlichen vorgenommen werden sowie wenn Kinder in sexualisierter Weise dargestellt werden. Als Jugendliche gelten Personen zwischen 14 und 18 Jahren. Es kommt dabei nicht auf das tatsächliche Alter an, sondern auf die Einschätzung eines objektiven Beobachters. Damit § 184c StGB erfüllt wird, müssen außerdem noch die beiden folgenden Voraussetzungen vorliegen:
- Handlung: § 184c StGB bestraft nahezu jeden Umgang mit Jugendpornografie. Neben dem Besitz sind auch der Vertrieb, das Verbreiten und das Herstellen strafbar.
- Vorsatz: Außerdem setzt § 184c StGB voraus, dass der Täter vorsätzlich handelt. Das bedeutet konkret, dass der Täter mit Wissen und Wollen handelt.
- Keine Straflosigkeit: Straflos sind etwa Nacktbilder, die Jugendliche von sich selbst freiwillig verschicken. Außerdem ist der Umgang im beruflichen Kontext (z.B. für Psychologen, Richter, Rechtsanwälte usw. straflos).
Tipps, wenn Sie wegen § 184c StGB angezeigt wurden
Wenn gegen Sie wegen § 184c StGB ermittelt wird, ist es sehr wichtig, dass Sie Ruhe bewahren. Sie sollten insbesondere nicht die Person, die Sie vermeintlich angezeigt hat, kontaktieren. Bei einer solchen Kontaktaufnahme besteht das Risiko, dass die Kontaktaufnahme als Beeinflussung von Zeugen bewertet wird, sodass Sie in Untersuchungshaft kommen. Außerdem sollten Sie die folgenden Tipps beachten:
- Nichts herausgeben: Sie sollten keine Unterlagen freiwillig herausgeben. Sollte die Herausgabe sinnvoll sein, kann sie später noch nachgeholt werden. Ist die Herausgabe hingegen nicht sinnvoll, kann sie nicht mehr zurückgenommen werden. Entsprechend sollte die Herausgabe immer zuvor mit einem Anwalt besprochen werden.
- Kein Geständnis: Gleiches gilt für ein Geständnis. Auch ein Geständnis kann problemlos nachgeholt, allerdings nicht zurückgenommen werden. Entsprechend sollte das Geständnis nur nach Rücksprache mit einem Verteidiger abgegeben werden.
- Anwalt: Sie sollten schnellstmöglich einen Strafverteidiger kontaktieren, damit eine individuelle Verteidigungsstrategie entworfen werden kann. Eine schnelle Kontaktaufnahme ist wichtig, um sicherzustellen, dass Sie die besten Verteidigungschancen haben.

