Stealthing
Stealthing

Stealthing: Alles, was Sie wissen müssen

Profilbild von Tobias Escherich, Volljurist und Autor bei STARK STRAFRECHT
Tobias Escherich
Volljurist
Stand: 
8.4.2026

Das wichtigste in Kürze

  • Als Stealthing wird das heimliche Abziehen eines Kondoms während des Geschlechtsverkehrs bezeichnet.
  • Stealthing ist strafbar und wird mit Gefängnisstrafe zwischen 6 Monaten und 15 Jahren bestraft.
  • Für die optimale Verteidigung ist es wichtig, dass Sie unmittelbar einen Verteidiger kontaktieren.

Was ist Stealthing?

Als Stealthing wird das heimliche Abziehen eines Kondoms während des Geschlechtsverkehrs bezeichnet. Wenn Geschlechtsverkehr mit Kondom vereinbart wurde, wird das absichtliche, unabgesprochene Nichteinsetzen eines Kondoms ebenfalls als Stealthing bezeichnet. Stealthing ist für die betroffenen Personen sehr gefährlich, Geschlechtsverkehr ohne Kondom kann zur Übertragung von Geschlechtskrankheiten oder zu ungewollten Schwangerschaften führen.  Außerdem werden beim Stealthing die Absprachen bezüglich des Geschlechtsverkehrs missachtet. 

Ist Stealthing strafbar?

Stealthing ist strafbar. Wer beim Geschlechtsverkehr ein Kondom absprachewidrig nicht einsetzt oder entfernt, begeht einen sexuellen Übergriff, § 177 Abs. 1 StGB. Durch den unterlassenen Einsatz eines Kondoms verändert sich die Qualität des Geschlechtsverkehrs. In einer solchen Situation liegt kein Einverständnis in die sexuellen Handlungen vor. Indem der Einsatz eines Kondoms verlangt wird, bringt die beteiligte Person außerdem zum Ausdruck, dass Sie Geschlechtsverkehr ohne Kondom ablehnt. Damit erfüllt das Stealthing alle Voraussetzungen des sexuellen Übergriffs. Insgesamt hat der sexuelle Übergriff die folgenden Voraussetzungen:

  • Sexuelle Handlung vornehmen
  • Gegen den erkennbaren Willen
  • Vorsatz

Der sexuelle Übergriff – und damit das Stealthing – wird erheblich bestraft. Der Strafrahmen liegt bei Gefängnisstrafe zwischen 6 Monaten und 5 Jahren. Die genaue Höhe der Strafe hängt von den konkreten Umständen ab (z.B. Folgen durch die Tat, einschlägige Vorstrafen, Reue usw.).

  • Bewährungsstrafe: Beim Stealthing kommt es in den meisten Fällen zu einer Gefängnisstrafe zwischen 6 Monaten und 1,5 Jahren. Solche Gefängnisstrafen werden in den meisten Fällen zur Bewährung ausgesetzt. Das bedeutet, Sie müssen erst einmal nicht in das Gefängnis. Nur wenn Sie gegen die Bewährungsauflagen verstoßen (z.B. erneut eine Straftat begehen), droht eine Gefängnisstrafe.
  • Schwerere Strafen: In Ausnahmefällen kommen auch schwerere Strafen in Betracht, z.B. bei einer Verurteilung wegen einer Vergewaltigung beträgt die Gefängnisstrafe mindestens 2 Jahre. In solchen Fällen ist eine Bewährungsstrafe nicht mehr möglich. Wenn es durch den Geschlechtsverkehr zu einer Übertragung einer Krankheit kommt, drohen ebenfalls deutlich höhere Strafen.

Wie wird Stealthing bewiesen?

Stealthing zu beweisen, ist ausgesprochen schwierig. Aufgrund von DNA-Spuren ist es meist recht einfach, nachzuweisen, ob ein Kondom eingesetzt wurde oder nicht. Schwierig ist allerdings, herauszufinden, ob Geschlechtsverkehr mit oder ohne Kondom vereinbart wurde. Bezüglich dieser Frage steht es in den meisten Fällen Aussage gegen Aussage, da nur die Aussage des vermeintlichen Opfers und des Beschuldigten zur Verfügung stehen. In einer solchen Situation kommt es zu einer Verurteilung, wenn das Gericht keine Zweifel daran hat, dass Geschlechtsverkehr mit Kondom vereinbart wurde. Zentral für die Entscheidung des Gerichts sind dabei die folgenden Aspekte:

  • Aussagen: Die Grundlage der Entscheidung des Gerichts ist die Würdigung der Aussage der beteiligten Personen. Dabei kommt es insbesondere darauf an, wie detailliert die Aussagen sind, ob die Aussagen widerspruchsfrei sind und ob eine Motivation besteht, zu lügen.
  • Indizien & Beweise: Außerdem berücksichtigt das Gericht im Rahmen der Entscheidung alle weiteren Indizien und Beweismittel, die verfügbar sind. Wenn beispielsweise Personen direkt beim ersten Treffen miteinander schlafen, werten viele Gerichte dies als Indiz dafür, dass Sex mit Kondom vereinbart wurde, da andernfalls das hohe Risiko besteht, dass Krankheiten übertragen werden. Weitere Indizien sind beispielsweise WhatsApp-Nachrichten. Wenn die Personen am nächsten Tag darüber schreiben, wie schön der letzte Abend war, ist dies ein Indiz dafür, dass alles „absprachegemäß“ verlaufen ist. Entschuldigt sich stattdessen eine Person für den schlimmen Fehler am letzten Abend, ist dies ein Indiz dafür, dass Stealthing vorliegt.

Was kann man tun, wenn einem Stealthing vorgeworfen wird?

Wenn Ihnen Stealthing vorgeworfen wird, sollten Sie unmittelbar einen Rechtsanwalt kontaktieren. Fehler zu Beginn der Ermittlungen können häufig später nicht mehr korrigiert werden. Für die bestmögliche Verteidigung ist es deshalb wichtig, dass Sie unmittelbar einen Anwalt kontaktieren. Dazu ist es sinnvoll, wenn Sie die folgenden Tipps berücksichtigen:

  • Keine Aussage: Sie sollten keine Aussage abgeben. Weder gegenüber der Polizei noch gegenüber dem Opfer sollten Sie irgendetwas sagen. Es besteht bei jeder Aussage das Risiko, dass diese zu Ihren Lasten ausgelegt wird. Selbst eine Entschuldigung über WhatsApp bei dem Opfer kann als Schuldeingeständnis angesehen werden.
  • Beweise sichern: Dazu sollten Sie mögliche Beweise sichern bzw. speichern. Wenn Ihnen das vermeintliche Opfer beispielsweise über WhatsApp geschrieben hat, wie schön der letzte Abend war, dann sollten Sie eine solche Nachricht unbedingt speichern.

Wie sollte man bei Stealthing reagieren?

Wenn Sie Opfer von Stealthing geworden sind, sollten sie unmittelbar zur Polizei gehen. Für den Nachweis der Tat ist es wichtig, dass die Staatsanwaltschaft vor Gericht Beweise vorlegen kann. Dazu gehören beim Stealthing unter anderem DNA-Proben des Täters. Außerdem sollten Sie sich Unterstützung bei Freunden oder einem Psychologen holen, um die Tat zu verarbeiten. Außerdem ist es wichtig, dass Sie sich auf Krankheiten prüfen lassen. Beim ungeschützten Geschlechtsverkehr besteht das Risiko, dass Krankheiten übertragen werden.

Häufig gestellte Fragen

Wieso ist Stealthing strafbar?
Stealthing ist strafbar, weil bei Sex ohne Kondom das Risiko besteht, dass Krankheiten übertragen. Dazu wird der Wille des Opfers missachtet, dass ein Kondom eingesetzt werden soll.
Welche Strafe droht bei einer Verurteilung wegen Stealthing?
Bei einer Verurteilung wegen Stealthing droht grundsätzlich eine Gefängnisstrafe zwischen 6 Monaten und 1,5 Jahren. Die Strafe wird in der Regel zur Bewährung ausgesetzt.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bei Stealthing-Vorwürfen zu einer Verurteilung kommt?
Bei Stealthing-Vorwürfen bestehen gute Chancen, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt wird. Insgesamt kommt es nur in circa 15 % der Ermittlungsverfahren zu einer Verurteilung.
Wie wird Stealthing bewiesen?
Als Beweismittel kommen bei Stealthing-Vorwürfen insbesondere die Aussage des vermeintlichen Opfers, Chatnachrichten und DNA-Spuren in Betracht.
Sollte man bei Stealthing-Vorwürfen das Opfer kontaktieren?
Wenn Ihnen Stealthing vorgeworfen wird, sollten Sie auf keinen Fall das Opfer kontaktieren. Jeglicher Kontakt mit dem Opfer kann zu ihrem Nachteil ausgelegt werden.