Wer bekommt bei Aussage-gegen-Aussage Recht?
Das wichtigste in Kürze
- Wer bei Aussage-gegen-Aussage das Gericht zweifelsfrei überzeugen kann, bekommt recht.
- Richter würdigen bei Aussage gegen Aussage die beiden Aussagen. Wenn sie keine Zweifel haben, erfolgt eine Verurteilung.
- In den meisten Fällen kommt es bei Aussage gegen Aussage zu einem Freispruch, da es nicht gelingt, ohne Zweifel die Schuld nachzuweisen.
Wer bekommt bei Aussage gegen Aussage Recht?
Bei einer Aussage-gegen-Aussage-Situation bekommt die Seite Recht, die ohne Zweifel die Richtigkeit ihrer Aussage darlegen kann. Entsprechend gibt es keine feste Regel, wer bei einer Aussage-gegen-Aussage-Situation Recht bekommt.
Bei Aussage-gegen-Aussage-Situationen besteht das Problem, dass es für Gerichte sehr schwierig ist, die Wahrheit herauszufinden. Als Beweismittel stehen bei einer Aussage-gegen-Aussage-Situation ausschließlich zwei Aussagen zur Verfügung. Wer in einer solchen Situation Recht bekommt, wird im Zivilrecht und im Strafrecht unterschiedlich beurteilt. Im Strafrecht geht es um die Frage, ob Beschuldigte eine Strafe (z.B. eine Geld- oder Gefängnisstrafe) erhalten. Im Zivilrecht geht es um Ansprüche zwischen Privatpersonen (z.B. nach einem Autounfall verlangt eine Person Schadensersatz von dem Unfallverursacher):
- Strafrecht: Im Strafrecht kommt es zu einer Verurteilung, wenn keine erheblichen Zweifel daran bestehen, dass der Beschuldigte die Straftat begangen hat. Bei einer Aussage-gegen-Aussage können kompetente Strafverteidiger eine Verurteilung häufig verhindern, indem nach der Gerichtsverhandlung jedenfalls noch erhebliche Zweifel an der Schuld bestehen. In solchen Fällen kommt es zu einem Freispruch bzw. einer Verfahrenseinstellung.
- Zivilrecht: Bei einer Aussage-gegen-Aussage-Situation im Zivilrecht bekommt in den meisten Fällen die Seite Recht, welche die Tatsache nicht beweisen muss. Wer vor Gericht einen Anspruch (insb. einen Schadensersatzanspruch) geltend macht, muss die Tatsachen, welche den Anspruch begründen, beweisen. In einer Aussage-gegen-Aussage-Situation gelingt ein solcher Beweis häufig nicht. Entsprechend bekommt meistens die Person recht, gegen die der Anspruch geltend gemacht wird.
Wie wird bei Aussage gegen Aussage entschieden, wer Recht bekommt?
Bei einer Aussage-gegen-Aussage-Situation basiert die Entscheidung des Gerichts auf einer Beweiswürdigung. Im Rahmen der Beweiswürdigung prüft das Gericht genau, wie glaubwürdig die Beweismittel sind. Für eine Verurteilung durch das Gericht ist es erforderlich, dass das Gericht eine Aussage für vollständig glaubwürdig und eine Aussage für vollständig unglaubwürdig hält. Hat das Gericht Zweifel daran, welche Aussage zutrifft, erfolgt keine Verurteilung.
Im Rahmen der Beweiswürdigung berücksichtigt das Gericht die folgenden Aspekte:
- Überzeugungskraft: Das Gericht berücksichtigt zum einen, wie überzeugend eine Aussage ist. Wenn beispielsweise ein Zeuge ein Geschehen aus einigen hundert Metern Entfernung beobachtet hat und dabei nur eine eingeschränkte Sicht auf das Geschehen hatte, dann ist die Aussage weniger überzeugend als eine Zeugenaussage, die das Geschehen aus nächster Nähe beobachtet hat.
- Glaubhaftigkeit: Im Rahmen der Glaubhaftigkeit wird berücksichtigt, ob es Motive oder Umstände gibt, die berücksichtigt werden müssen, da sie beeinflussen, ob einer Aussage geglaubt werden kann oder nicht. Wenn beispielsweise ein ebenfalls Angeklagter einen anderen Beschuldigten belastet, muss berücksichtigt werden, dass ein Motiv dafür besteht, sich selbst zu belasten und den Verdacht auf eine andere Person zu lenken.
- Aussagetiefe: Je detaillierter eine Aussage ist, desto höher ist die Glaubhaftigkeit der Aussage. Wenn sich ein Zeuge an viele Details erinnern kann, ist dies ein Zeichen dafür, dass er das Geschehen zutreffend und umfassend erfasst hat und wiedergeben kann.
Wer bekommt bei Aussage gegen Aussage im Strafrecht Recht?
Bei Aussage gegen Aussage im Strafrecht kommt es nur zu einer Verurteilung, wenn das Gericht keine Zweifel daran hat, dass der Beschuldigte die Tat begangen hat. Im Strafrecht bestehen sehr hohe Anforderungen dafür, dass es zu einer Verurteilung kommt. Entsprechend droht einer Verurteilung nur, wenn das Gericht einer Aussage vollständig glaubt und die andere Aussage für vollständig falsch hält. Deshalb bestehen im Rahmen der Gerichtsverhandlung viele Möglichkeiten, um eine Verurteilung zu verhindern:
- Aussage anzweifeln: Um eine Verurteilung zu verhindern, ist es hilfreich, aufzuzeigen, weshalb die Aussage des vermeintlichen Opfers nicht zutrifft. Dabei ist es nicht erforderlich, die Aussage als vollständige Lüge darzustellen. Es ist allerdings wichtig, konkret darauf hinzuweisen, woraus sich die Zweifel an der Richtigkeit der Aussage ergeben.
- Aussage bestärken: Dazu ist es wichtig, dass die eigene Aussage besonders glaubwürdig ist. Dies setzt voraus, dass die Aussage detailliert ist und sich jedenfalls Teile der Aussage unabhängig überprüfen lassen.
- Weitere Beweismittel: Um eine Verurteilung zu verhindern, ist es besonders effektiv, weitere Beweismittel vorzulegen. Wenn beispielsweise bei einem Vergewaltigungsvorwurf Chats nach der vermeintlichen Tatnacht vorgelegt werden können, in denen beschrieben wird, wie schön der Abend war, dann ist ein Screenshot dieser Chats besonders hilfreich, um den Vergewaltigungsvorwurf zu entkräften.
Wer bekommt bei Aussage gegen Aussage im Zivilrecht Recht?
Im Zivilrecht bekommt bei Aussage gegen Aussage in der Regel die Person recht, welche den Beweis nicht erbringen muss. Insbesondere Prozesse wegen Schadensersatzansprüchen gehören zu den Zivilprozessen. Bei einem Zivilprozess muss der Kläger die anspruchsbegründenden Tatsachen beweisen. Der Maßstab für den Beweis ist, dass keine vernünftigen Zweifel an der Richtigkeit der Aussage bestehen dürfen. Es gelingt Klägern nur in seltenen Ausnahmefällen, dass keine vernünftigen Zweifel bestehen. Auch im Zivilprozess gilt, dass eine Verurteilung besonders gut dadurch verhindert werden kann, dass Zweifel an der Richtigkeit der Aussage des Klägers hervorgerufen werden.

