Sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt
Das wichtigste in Kürze
- Sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt ist in Deutschland nur ausnahmsweise strafbar.
- Als Straftaten kommen die Beleidigung, die sexuelle Belästigung, das Nachstellen oder der Exhibitionismus in Betracht.
- Bei einer sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz droht die (fristlose) Kündigung.
Was zählt zur sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt?
Eine sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt liegt insbesondere vor, wenn Personen – in den meisten Fällen Frauen – mündlich belästigt werden. Die häufigsten Formen der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt sind das Hinterherpfeifen oder Hinterherrufen. Diese Form der sexuellen Belästigung wird als Catcalling bezeichnet. Eine weitere Form der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt sind Sexualisierungen von Personen – in der Regel Frauen durch Männer –, die in der konkreten Situation unpassend sind und Frauen auf ihren Körper und ihr Aussehen reduzieren.
Beispiele für die sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt:
- Pfeifen: Einer der häufigsten Fälle der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt besteht darin, dass Frauen angestarrt oder ihnen hinterhergepfiffen wird.
- Ansprechen: Wenn Frauen auf offener Straße in belästigender Weise angesprochen werden, liegt ebenfalls eine sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt vor. Das Ansprechen erfolgt in sexuell belästigender Weise, wenn die Person (i.d.R. die Frau) sich bedroht fühlt, z.B. weil die Ansprache in einer dunklen Straße bei Nacht erfolgt, oder die Ansprache durch mehrere Personen gleichzeitig erfolgt.
- Sexualisierung: Wenn eine Frau ohne Anlass sexualisiert wird, beispielsweise indem die Frau ohne gezeigtes Interesse gefragt wird, ob sie Lust auf Geschlechtsverkehr habe, oder das Aussehen der Frau anlasslos kommentiert wird, liegt ebenfalls eine sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt vor.
Ist die sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt strafbar?
Die sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt ist grundsätzlich nicht strafbar. Während in anderen Ländern (z.B. Spanien) die sexuelle Belästigung auch ohne Körperkontakt grundsätzlich strafbar ist, sind die Regelungen in Deutschland anders. In Deutschland ist die sexuelle Belästigung mit Körperkontakt strafbar. Voraussetzung ist dafür, dass es zu einer sexuell motivierten Berührung kommt. In Deutschland wird die sexuelle Belästigung mit Geldstrafe oder Gefängnisstrafe bis zu 2 Jahren bestraft. Wenn die Tat durch mehrere gemeinschaftlich begangen wird, droht sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu 5 Jahren.
Bei einer sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt kommt die Strafbarkeit hingegen nur in Ausnahmefällen in Betracht:
- Beleidigend: Catcalling liegt auch vor, wenn einer Frau hinterhergerufen wird. Wenn es dabei zu beleidigenden Aussagen kommt (z.B. wird die Frau als „Hure“ oder „Prostituierte“ bezeichnet), wird der Straftatbestand der Beleidigung, § 185 StGB, erfüllt. Die Beleidigung setzt voraus, dass eine herabwürdigende Aussage vorliegt. Eine Frau wird auch beleidigt, wenn Ihr Geld für Geschlechtsverkehr angeboten wird. Durch ein solches Angebot wird die Frau als Prostituierte dargestellt. Die Beleidigung wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft.
- Hohe Frequenz: Wenn eine Frau nachhaltig von einem Mann verfolgt wird, indem der Mann beispielsweise jeden Tag auf dem Arbeitsweg auf die Frau wartet und ihr hinterherruft, ist der Tatbestand der Nachstellung, § 238 StGB, erfüllt. Voraussetzung für die Nachstellung ist, dass die Lebensgestaltung der Frau durch die Verfolgung erheblich beeinträchtigt wird. § 238 StGB, also die Nachstellung, wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren bestraft.
- Exhibitionismus: Zudem ist es auch strafbar, wenn ein Mann eine andere Person durch exhibitionistische Handlungen belästigt (z.B. in der Öffentlichkeit masturbiert usw.).
Welche Folgen kann eine sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt haben?
Die sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt kann neben einer etwaigen Strafbarkeit auch weitere negative Konsequenzen für den Beschuldigten haben. Welche Konsequenzen genau drohen, hängt davon ab, in welchem Umfeld die sexuelle Belästigung erfolgt:
- Kündigung: Eine sexuelle Belästigung – auch ohne Körperkontakt – stellt eine schwerwiegende Pflichtverletzung im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses dar. Entsprechend rechtfertigt eine sexuelle Belästigung – auch ohne Körperkontakt – grundsätzlich eine verhaltensbedingte Kündigung. Bei einer schwerwiegenden sexuellen Belästigung kommt sogar eine fristlose Kündigung in Betracht.
- Schadensersatz: Wenn die betroffene Person durch die sexuelle Belästigung einen Schaden erleidet, z.B. psychisch krank wird, muss der Täter Schadensersatz und gegebenenfalls auch Schmerzensgeld zahlen.
- Hochschulen: An Hochschulen kann eine sexuelle Belästigung zur Exmatrikulation führen. Erforderlich ist dafür, dass die sexuelle Belästigung einen Bezug zur Hochschule hat.
Wie verteidigt man sich gegen den Vorwurf der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt?
Wenn Ihnen sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, sollten Sie zeitnah einen Rechtsanwalt kontaktieren. Insbesondere im Rahmen von Arbeitsverhältnissen geht es sowohl darum, Sie vor einer Kündigung zu bewahren, als auch darum, eine strafrechtliche Verurteilung zu verhindern. Mit einer rechtzeitigen, zielgerichteten Verteidigung bestehen sehr gute Chancen, dass das strafrechtliche Ermittlungsverfahren eingestellt wird. Voraussetzung ist dafür allerdings, dass Sie die folgenden Tipps beachten:
- Keine Aussage: Sie sollten keine Aussage gegenüber der Polizei abgeben. Entsprechende Aussagen führen sehr oft im Laufe des Verfahrens zu Problemen. Sollte eine Aussage ausnahmsweise sinnvoll sein, kann die Aussage auch noch später ohne Nachteile abgegeben werden. Gleiches gilt auch für die Herausgabe von Unterlagen.
- Ruhe bewahren: Es ist sehr wichtig, dass Sie ruhig bleiben. Wenn Sie beispielsweise anfangen, das vermeintliche Opfer zu kontaktieren und ihr Vorwürfe zu machen, besteht das Risiko, dass dies als Zeugenbeeinflussung gesehen wird, was erhebliche Nachteile für Sie haben kann.

