Wie lange dauert die Bearbeitung einer Anzeige bei der Polizei?
Das wichtigste in Kürze
- Die Bearbeitung einer Anzeige durch die Polizei nimmt mindestens mehrere Monate in Anspruch.
- Wenn umfangreiche Ermittlungen erforderlich sind, kann es auch mehrere Jahre dauern.
- Für Beschuldigte ist eine lange Verfahrensdauer attraktiv, je länger die Ermittlungen dauern, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ermittlungen eingestellt werden.
Wie lange dauert die Bearbeitung einer Anzeige bei der Polizei?
Die Bearbeitung einer Anzeige bei der Polizei nimmt in der Regel mehrere Monate in Anspruch. Die Aufnahme der Polizei geht sehr schnell. Allerdings nehmen die Ermittlungen viel Zeit in Anspruch. Je nachdem, um welche Straftat es geht, passiert es häufig, dass die Ermittlungen mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen. Die Ermittlungen dauern unter anderem deshalb lange, weil die Polizei überlastet ist und sich deshalb nicht auf die Ermittlungen fokussiert.
Grundsätzlich beeinflussen die folgenden Kriterien, wie lange die Ermittlungen dauern:
- Schwere der Straftat: Je schwerer die verfolgte Straftat ist, desto mehr Ressourcen werden in die Ermittlungen gesteckt. Wenn es beispielsweise um die Ermittlungen wegen Mord geht, arbeiten viele Ermittler gleichzeitig zusammen, um den Täter zu ermitteln. Geht es demgegenüber um ein eher geringfügiges Delikt (z.B. eine einfache Körperverletzung o.ä.), stecken die Staatsanwaltschaft und die Polizei deutlich weniger Ressourcen in die Ermittlungen.
- Beweise: Je schwieriger es für die Polizei ist, die Tat nachzuweisen, desto länger dauern die Ermittlungen. Wenn also schon zu Beginn der Ermittlungen Beweise vorliegen, die eindeutig für oder gegen die Schuld des Beschuldigten sprechen, dauert das Ermittlungsverfahren nur sehr kurz. Wenn demgegenüber die Beweislage unklar ist, können die Ermittlungen sehr lange dauern. In einer solchen Situation versuchen die Ermittler, Beweise zu finden, welche den Täter überführen oder entlasten.
- Kapazitäten: Zentral für die Dauer des Ermittlungsverfahrens sind auch die Kapazitäten bei der Polizei und Staatsanwaltschaft. Wenn die Polizei und die Staatsanwaltschaft überlastet sind – was in der Regel der Fall ist -, können die Ermittlungen sehr lange dauern. In einer solchen Situation werden schwere und öffentlichkeitswirksame Straftaten priorisiert, sodass wenig Zeit für die Verfolgung von anderen Straftaten bleibt.
- Sonderzuständigkeiten: Dazu gibt es für einige Straftaten spezielle Dezernate (z.B. Drogen, organisierte Kriminalität usw.). Solche Dezernate sind teilweise personell sehr gut ausgestattet, sodass die Ermittlungen deutlich schneller ablaufen als bei anderen Straftaten.
Wie laufen die Ermittlungen der Polizei ab?
Die Ermittlungen durch die Polizei haben einen recht standardisierten Ablauf. In den meisten Fällen laufen die Ermittlungen wie folgt ab:
- Anzeige: In den meisten Fällen beginnen die Ermittlungen aufgrund einer Anzeige. Nachdem die Anzeige abgegeben wurde, erfolgt in den meisten Fällen eine kurze Vorprüfung. Wenn es offensichtlich ist, dass kein strafbares Verhalten vorliegt (z.B. eine Anzeige, weil man unterschiedliche politische Ansichten hat), werden schon gar keine Ermittlungen aufgenommen. Sofern es jedenfalls möglich ist, dass ein strafbares Verhalten vorliegt, wird ein Ermittlungsverfahren eröffnet.
- Ermittlungen: Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens versucht die Polizei, den Sachverhalt aufzuklären. Das beinhaltet in den meisten Fällen, Zeugen zu finden und zu vernehmen, Videoaufnahmen auszuwerten, DNA-Spuren zu finden und auswerten zu lassen usw. Die Polizei ist grundsätzlich dazu angehalten, sowohl belastendes als auch entlastendes Material zu sammeln. Es passiert allerdings häufig, dass sich die Polizei im Rahmen der Ermittlungen auf einen Beschuldigten versteift und sich dann primär darauf konzentriert, Beweise zu suchen, die diesen Beschuldigten belasten.
- Entscheidung: Wenn die Polizei die Ermittlungen abgeschlossen hat, entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie den Beschuldigten anklagen möchte oder die Ermittlungen einstellt. Sofern Zweifel an der Schuld des Beschuldigten bestehen, kommt es in den meisten Fällen zu einer Einstellung der Ermittlungen.
Ist es gut oder schlecht, wenn die Bearbeitung einer Anzeige lange dauert?
Wenn die Bearbeitung einer Anzeige lange dauert, ist dies für Beschuldigte in den meisten Fällen positiv. Hintergrund ist, dass vor Gericht viele Beweise erneut aufgenommen werden. Beispielsweise müssen Zeugen grundsätzlich erneut vor Gericht aussagen. Wenn allerdings viel Zeit vergeht, vergessen Zeugen immer mehr, sodass der Beweiswert der Aussagen sinkt. Dazu kommt, dass die Möglichkeit besteht, dass Zeugen aufgrund der schwindenden Erinnerungen anfangen, sich zu widersprechen. In einer solchen Situation gelingt es selten, das Gericht von der Schuld des Beschuldigten zu überzeugen. Außerdem hat die lange Verfahrensdauer auch noch die folgenden Vorteile:
- Strafmilderung: Eine lange Verfahrensdauer ist ein Strafmilderungsgrund. Also allein die Tatsache, dass die Ermittlungen lange gedauert haben, führt dazu, dass die Strafe im Fall einer Verurteilung geringer ausfällt.
- Keine Beweise: Dazu zeigt die lange Verfahrensdauer, dass keine eindeutigen Beweise vorliegen. Entsprechend bestehen gute Chancen, mit einer durchdachten Verteidigungsstrategie eine Verurteilung zu verhindern.
Für Opfer einer Straftat haben lange Ermittlungen den Vorteil, dass es noch nicht zu einer Einstellung der Ermittlungen gekommen ist, sodass weiterhin die Möglichkeit besteht, dass es zu einer Aufklärung und Verurteilung kommt.
Wie können die Ermittlungen der Polizei beschleunigt werden?
Die Ermittlungen der Polizei können beschleunigt werden, wenn klare Beweise vorgelegt werden, welche die Schuld eindeutig bezeugen bzw. aufzeigen, dass der Beschuldigte unschuldig ist.
- Geständnis: Wenn beispielsweise der Beschuldigte ein Geständnis ablegt und auch die übrigen Beweismittel das Geständnis stützen, kann eine Einstellung der Ermittlungen sehr schnell erreicht werden. Im Gegenzug können Beweismittel, welche die Unschuld des Beschuldigten belegen, ebenfalls dabei helfen, schnell eine Einstellung der Ermittlungen zu erreichen. Wenn beispielsweise der Beschuldigte nachweisen kann, zu der Tatzeit im Urlaub in einem anderen Land gewesen zu sein, führt dies schnell dazu, dass die Ermittlungen gegen ihn eingestellt werden.
- Kompetente Verteidigung: Eine Einstellung der Ermittlungen kann außerdem häufig durch eine kompetente Verteidigung erreicht werden. Indem aufgezeigt wird, dass erhebliche Zweifel an der Schuld des Beschuldigten bestehen, kann häufig erreicht werden, dass die Ermittlungen eingestellt werden. Dafür ist es sehr wichtig, dass keine Fehler gemacht werden, indem etwa zu Beginn eine Aussage getätigt wird, welche später für die Schuld des Beschuldigten spricht.
- Dienstaufsichtsbeschwerde: Theoretisch besteht auch die Möglichkeit, eine Dienstaufsichtsbeschwerde einzulegen. Praktisch bringt diese allerdings nichts, sodass es nicht ratsam ist, eine solche einzulegen. Im Gegenteil verärgert die Dienstaufsichtsbeschwerde die Polizei und die Staatsanwaltschaft meistens, sodass die Dienstaufsichtsbeschwerde eher zu Nachteilen führt.

