Vergewaltigung
Anzeige Vergewaltigung Ablauf

Wie ist der Ablauf bei einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung?

Profilbild von Tobias Escherich, Volljurist und Autor bei STARK STRAFRECHT
Tobias Escherich
Volljurist
Stand: 
7.4.2026

Das wichtigste in Kürze

  • Nach einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung erfolgt in den meisten Fällen erst einmal eine Untersuchung des Opfers.
  • Die Ermittlungen wegen einer Vergewaltigung nehmen häufig über 8 Monate in Anspruch.
  • Sobald Beschuldigte von einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung erfahren, sollten Sie einen Anwalt kontaktieren. Je früher Sie einen Anwalt kontaktieren, desto höher sind die Erfolgsaussichten.

Was passiert nach einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung?

Nach einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung erfolgt in den meisten Fällen erst einmal eine Untersuchung des Opfers. Wenn die Tat zeitnah erfolgt ist, wird etwa versucht, DNA-Spuren und andere Beweise am Körper des vermeintlichen Opfers zu sichern. Insgesamt läuft das Verfahren nach einer Anzeige wie folgt ab:

  • Ermittlungen: Nach der Anzeige nehmen die Polizei und die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf. Im Rahmen der Ermittlungen versucht die Polizei zum einen alle verfügbaren Beweise zu finden. Neben dem Auffinden der Beweise werden die Beweise auch ausgewertet. Bei vielen Ermittlungsverfahren wegen einer Vergewaltigung steht es Aussage gegen Aussage. Das bedeutet, dass als Beweismittel vorrangig die beiden Aussagen zur Verfügung stehen. In einem solchen Fall werden die Aussagen sehr detailliert geprüft und gewürdigt.
  • Anklage oder Einstellung: Sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind, entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob die Ermittlungen eingestellt werden oder die Tat angeklagt wird, sodass es zu einem Gerichtsprozess kommt. Voraussetzung für eine Anklage ist, dass eine Verurteilung des Beschuldigten wahrscheinlich ist.
  • Gerichtsverfahren: Sollte sich die Staatsanwaltschaft für eine Anklage entscheiden, findet ein Gerichtsprozess statt. Bei dem Gerichtsprozess muss berücksichtigt werden, dass alle Beweismittel neu aufgenommen werden. Das bedeutet beispielsweise, dass die Zeugen neu vernommen werden usw. Hintergrund ist, dass sich das Gericht selbst ein Bild von den Beweisen machen soll.

Wann liegt eine Vergewaltigung vor?

Eine Vergewaltigung liegt vor, wenn es gegen den ausdrücklichen Willen des Opfers zum Geschlechtsverkehr kommt. Damit müssen insgesamt die folgenden Voraussetzungen für eine Vergewaltigung vorliegen:

  • Geschlechtsverkehr: Es muss zum Geschlechtsverkehr kommen. Das bedeutet, dass sexuelle Handlungen wie das reine Berühren des Intimbereichs oder das sexuell motivierte Küssen für eine Vergewaltigung nicht ausreichen.
  • Entgegenstehender Wille: Dazu muss ein entgegenstehender Wille zum Ausdruck gebracht worden sein. Es ist nicht erforderlich, dass der entgegenstehende Wille gesagt wird, allerdings muss sich aus dem Verhalten des Opfers ergeben, dass ein entgegenstehende Wille vorliegt. Eine Vergewaltigung liegt also auch vor, wenn der Täter das Opfer mit einer Drohung dazu nötigt, dass die sexuelle Handlung geduldet wird, oder das Opfer sich in einer Lage befindet, dass es keinen Willen äußern kann (z.B. schläft oder unter Drogeneinfluss steht).
  • Vorsatz: Dazu muss der Täter mit Wissen und Wollen, also vorsätzlich handeln.

Wie kann bei einer Vergewaltigung eine Einstellung der Ermittlungen erreicht werden?

Bei einer Vergewaltigung kommt es nahezu ausschließlich zu einer Einstellung der Ermittlungen, wenn es der Polizei und der Staatsanwaltschaft nicht gelingt, die Tat dem Beschuldigten nachzuweisen. Entsprechend besteht das Ziel der Verteidigung darin, erhebliche Zweifel an der Schuld des Beschuldigten hervorzurufen und aufzuzeigen, weshalb der Beschuldigte unschuldig ist. 

Es ist grundsätzlich erforderlich, eine individuelle Verteidigungsstrategie zu entwerfen. Folgende Bestandteile enthält allerdings nahezu jede Verteidigungsstrategie:

  • Vorladung: Beschuldigte werden häufig im Laufe der Ermittlungen von der Polizei vorgeladen. Solche Vorladungen haben für Beschuldigte nahezu keine Vorteile. Ohne Kenntnis der Akte ist es unmöglich, den Termin so wahrzunehmen, dass die Situation verbessert werden kann. Deshalb sollte die Vorladung abgesagt werden. Stattdessen wird Akteneinsicht beantragt, um die Verteidigungsstrategie an die konkreten Ermittlungen anzupassen.
  • Beweismittel: Auch wenn die Polizei dazu verpflichtet ist, sowohl entlastende als auch belastende Beweise zu sammeln, konzentriert sich die Polizei in den meisten Fällen auf belastende Beweismittel. Deshalb ist es sehr wichtig, im Rahmen der Ermittlungen entlastende Beweismittel vorzulegen. Sehr gut geeignet sind hierfür Chatnachrichten. Wenn Ihnen beispielsweise das Opfer nach der Tat geschrieben hat, wie schön der gemeinsame Abend war, ist es unglaubwürdig, wenn Ihnen die gleiche Person später eine Vergewaltigung vorwirft.
  • Eigene Aussage: Insbesondere bei Aussage-gegen-Aussage-Situationen, die bei Vergewaltigungsvorwürfen häufig vorkommen, ist es sehr wichtig, eine überzeugende Aussage abzugeben. Das bedeutet insbesondere, dass die eigene Aussage keine Widersprüche enthält, bei mehreren Vernehmungen keine erheblichen Abweichungen vorliegen und viele Glaubwürdigkeitsmerkmale erfüllt werden (z.B. Schilderungen von „unnötigen“ Details usw.).
  • Fremde Aussage: Dazu ist es wichtig, die Aussage des vermeintlichen Opfers genau zu analysieren und aufzuzeigen, weshalb diese nicht überzeugend ist. Dafür kann es etwa helfen, Widersprüche herauszuarbeiten oder aufzuzeigen, dass die Person auch schon in der Vergangenheit mehrfach gelogen hat.

Anzeige wegen einer Vergewaltigung erhalten, was tun?

Wenn gegen Sie wegen einer Vergewaltigung ermittelt wird, ist es wichtig, dass Sie sofort einen Rechtsanwalt kontaktieren. Nach einer Anzeige ist es wichtig, dass direkt mit der Verteidigung begonnen wird. Fehler, die am Anfang des Verfahrens gemacht werden, können häufig nicht mehr korrigiert werden. Wenn Sie sich beispielsweise aus Höflichkeit bei dem vermeintlichen Opfer entschuldigen, besteht das hohe Risiko, dass diese Entschuldigung später als Schuldeingeständnis angesehen wird. Es gibt viele Verhaltensweisen, die Ihnen später angelastet werden können. Um die bestmöglichen Verteidigungschancen zu haben, sollten Sie deshalb einen Anwalt kontaktieren.

Folgende Tipps sollten Sie ebenfalls beachten:

  • Keine Aussage: Sie sollten keine Aussage gegenüber der Polizei abgeben. Wenn Sie bei der Polizei eine Aussage tätigen, besteht das hohe Risiko, dass die Aussage später zu Problemen führt. Sollte eine Aussage ausnahmsweise sinnvoll sein, kann die Aussage auch noch später ohne Nachteile abgegeben werden. Gleiches gilt auch für die Herausgabe von Unterlagen. Eine Aussage sollte dazu erst abgegeben werden, wenn die Verteidigung Einblick in die Ermittlungsakten erhalten hat. Erst nach Akteneinsicht besteht die Möglichkeit, einzuschätzen, ob eine Aussage Sie belasten wird oder nicht.
  • Ruhe bewahren: Es ist sehr wichtig, dass Sie ruhig bleiben. Wenn Sie beispielsweise anfangen, das vermeintliche Opfer zu kontaktieren und der Person Vorwürfe zu machen, besteht das Risiko, dass dieses Verhalten als Zeugenbeeinflussung gesehen wird, was erhebliche Nachteile für Sie haben kann. Schlimmstenfalls droht Ihnen in einem solchen Fall sogar die Untersuchungshaft.

Häufig gestellte Fragen

Kommt es bei einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung zu einer Hausdurchsuchung?
Bei Vergewaltigungsvorwürfen kommt es nahezu immer zu einer Hausdurchsuchung beim Verdächtigen. Das Ziel der Hausdurchsuchung besteht darin, Beweismittel zu finden, die den Beschuldigten überführen.
Wie lange dauern die Ermittlungen wegen einer Vergewaltigung?
Die Ermittlungen bei einer Vergewaltigung dauern häufig mehrere Monate. Es kommt nur sehr selten vor, dass die Ermittlungen nicht jedenfalls 6 Monate dauern.
Wann erhält man bei Vergewaltigungsvorwürfen eine Vorladung?
Wenn sich der Verdacht der Vergewaltigung erhärtet, wird der Beschuldigte vorgeladen. Im Rahmen der Vorladung möchte die Polizei den Beschuldigten befragen. Als Beschuldigter ist es sehr sinnvoll, die Vorladung abzulehnen.
Sollte man als Beschuldigter zu einer Vorladung der Polizei bei Vergewaltigungsvorwürfen erscheinen?
Es ist als Beschuldigter nicht sinnvoll, zur Vorladung zu erscheinen. Es besteht das hohe Risiko, dass Sie sich selbst belasten. Dazu besteht grundsätzlich auch keine Pflicht, zur Vorladung zu erscheinen.
Was passiert nach einer Anzeige wegen Vergewaltigung?
Nach einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung nimmt die Polizei die Ermittlungen auf. In der Regel wird das angebliche Opfer zuerst vernommen. Sofern noch möglich, wird außerdem das Opfer untersucht (z.B. DNA-Proben nehmen usw.).