Borderline: Alles, was Sie zum Missbrauch wissen müssen
Das wichtigste in Kürze
- Missbrauch im Kinderalter ist ein häufiger Grund für eine Borderline-Störung.
- Missbrauchserfahrungen und eine genetische Veranlagung sind die Hauptgründe für eine Borderline-Erkrankung.
- Bei Missbrauchsvorwürfen durch eine Person mit Borderline bestehen gute Verteidigungschancen.
Verursacht Missbrauch eine Borderline-Störung?
Missbrauchserfahrungen führen nicht zwangsläufig zu einer Borderline-Störung. Die Ursachen für eine Borderline-Störung sind noch nicht vollständig erforscht. Es gibt allerdings eine Reihe an Faktoren, welche bisher identifiziert werden konnten, die eine Borderline-Störung begünstigen:
- Genetik: Personen, die über eine Borderline-Störung verfügen, haben häufig eine genetische Veranlagung dafür. Wer also Vorfahren hat, die eine Borderline-Störung hatten, hat ein höheres Risiko, selbst eine Borderline-Störung zu entwickeln.
- Trauma: Borderline-Störungen treten besonders häufig bei Personen mit Kindheitstraumata auf. Wer also als Kind missbraucht oder misshandelt wurde, hat ein besonders hohes Risiko für eine Borderline-Erkrankung. Die Misshandlung muss nicht zwingend körperlich erfolgt sein. Auch psychische Misshandlung oder Verwahrlosung (z.B. Kinder über eine lange Zeit abwechselnd sehr intensiv zu umsorgen und ein paar Tage später völlig zu ignorieren) kann ein Trauma darstellen, welches zu einer Borderline-Störung führt.
Bei diesen beiden Punkten handelt es sich allerdings „nur“ um Risikofaktoren. Das bedeutet konkret, dass nicht jede Person mit einer genetischen Veranlagung oder einem Kindheitstrauma eine Borderline-Störung entwickelt.
Was ist eine Borderline-Störung?
Eine Borderline-Erkrankung ist eine psychische Störung, welche die eigenen Emotionen beeinflusst. Personen, die an Borderline erkrankt sind, leiden unter starker emotionaler Instabilität. Das bedeutet konkret, dass die Gefühle und Emotionen stark schwanken. Das kann in zwischenmenschlichen Beziehungen bedeuten, dass Hass und Liebe gegenüber einer Person stark hin- und herspringen. Während eine an Borderline erkrankte Person gegenüber einer Person in dem einen Moment starke Zuneigung und Liebe verspürt, können die Gefühle der Person innerhalb von Sekunden in Hass und Abneigung umschlagen. Diese instabilen Emotionen führen dazu, dass an Borderline erkrankte Personen Situationen und Emotionen anders wahrnehmen. Entsprechend erinnern sich Personen, die an Borderline erkrankt sind, teilweise anders an Situationen als gesunde Menschen.
Die Ursachen einer Borderline-Erkrankung sind noch nicht vollständig erforscht. Neben einer genetischen Veranlagung spielen auch traumatische Erfahrungen in der Kindheit, z.B. Gewalterfahrungen, Missbrauch usw., eine Rolle.
Was tun bei einem Missbrauchsvorwurf durch eine Person mit Borderline?
Bei einem Missbrauchsvorwurf durch eine Person mit Borderline bestehen gute Chancen für eine erfolgreiche Verteidigung. Bei Missbrauchsvorwürfen stehen häufig als einzige Beweismittel die Aussagen des vermeintlichen Opfers und des Beschuldigten zur Verfügung. Allerdings ist der Beweiswert einer Person mit Borderline deutlich geringer. Hintergrund ist, dass Personen mit einer Borderline-Störung emotional sehr instabil sind. Dies wirkt sich folgendermaßen auf die Beweiskraft der Aussage aus:
- Konstanz: Bei Personen mit Borderline ist die Aussagekonstanz gering. Das bedeutet, dass Aussagen zu der gleichen Situation erheblich voneinander abweichen können. Eine geringe Aussagekonstanz mindert die Glaubwürdigkeit einer Aussage erheblich, da nicht klar ist, wann die Wahrheit gesagt und wann nicht.
- Wiederentdeckte Erinnerungen: Borderline-Kranke leiden häufig unter wiederentdeckten Erinnerungen. Bei wiederentdeckten Erinnerungen tauchen scheinbar verschwundene Erinnerungen plötzlich wieder auf. Allerdings handelt es sich bei wiederentdeckten Erinnerungen häufig um Scheinerinnerungen, die nie stattgefunden haben.
- Wirklichkeitskontrolle: An Borderline erkrankte Personen haben häufig ein Problem, zwischen Vorstellung und Realität zu unterscheiden. Entsprechend passiert es häufig, dass eigene Vorstellungen als tatsächlich passiert dargestellt werden.

