Ist Catcalling strafbar?
Das wichtigste in Kürze
- Catcalling selbst ist in Deutschland nicht strafbar.
- Bestimmte Arten des Catcallings sind strafbar, wenn eine Beleidigung oder eine sexuelle Belästigung vorliegt.
- In Deutschland wird darüber diskutiert, das Catcalling unter Strafe zu stellen.
Ist Catcalling strafbar?
Catcalling selbst ist nicht strafbar. Als Catcalling wird die mündliche Belästigung von Frauen durch Männer in der Öffentlichkeit bezeichnet. Wenn beispielsweise Männer Frauen hinterherpfeifen, handelt es sich um Catcalling. Während in anderen Ländern (z.B. Spanien) das Catcalling selbst strafbar ist, ist es in Deutschland nur in seltenen Ausnahmefällen strafbar. Eine Strafbarkeit kommt beim Catcalling in den folgenden Fällen in Betracht:
- Berühren: Wenn es nicht bei der mündlichen Belästigung bleibt, sondern zu sexuell motivierten Berührungen kommt, liegt eine sexuelle Belästigung, § 184i StGB, vor, die in Deutschland strafbar ist. In Deutschland wird die sexuelle Belästigung mit Geldstrafe oder Gefängnisstrafe bis zu 2 Jahren bestraft. Wenn die Tat durch mehrere gemeinschaftlich begangen wird, droht sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu 5 Jahren.
- Beleidigend: Catcalling liegt auch vor, wenn einer Frau hinterhergerufen wird. Wenn es dabei zu beleidigenden Aussagen kommt (z.B. wird die Frau als „Hure“ oder „Prostituierte“ bezeichnet), wird der Straftatbestand der Beleidigung, § 185 StGB, erfüllt. Die Beleidigung setzt voraus, dass eine herabwürdigende Aussage vorliegt. Eine Frau wird auch beleidigt, wenn ihr Geld für Geschlechtsverkehr angeboten wird. Durch ein solches Angebot wird die Frau als Prostituierte dargestellt. Die Beleidigung wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft.
- Hohe Frequenz: Wenn eine Frau nachhaltig von einem Mann verfolgt wird, indem der Mann beispielsweise jeden Tag auf dem Arbeitsweg auf die Frau wartet und ihr hinterherruft, ist der Tatbestand der Nachstellung, § 238 StGB, erfüllt. Voraussetzung für die Nachstellung ist, dass die Lebensgestaltung der Frau durch die Verfolgung erheblich beeinträchtigt wird. § 238 StGB, also die Nachstellung, wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren bestraft.
Welche Strafen kommen bei Catcalling in Betracht?
Wenn eine der genannten Straftaten vorliegt, kommt jeweils eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren in Betracht. Sofern keine einschlägigen Vorstrafen bestehen und die Tat keine schweren Folgen hat, bewegt sich die Strafe in den meisten Fällen am unteren Ende des Strafrahmens. Das bedeutet, dass es meistens zu Geldstrafen kommt, in seltenen Ausnahmefällen kommt es auch zu Bewährungsstrafen. Bei einer Bewährungsstrafe wird der Beschuldigte zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Allerdings muss der Beschuldigte nur in das Gefängnis, wenn er gegen die Bewährungsauflagen verstößt (z.B. erneut eine Straftat begeht). Solange wie die Bewährungsauflagen erfüllt werden, bleibt der Beschuldigte frei.
Bei der Strafzumessung berücksichtigt das Gericht unter anderem die folgenden Faktoren:
- Folgen: Im Rahmen der Strafzumessung wird etwa berücksichtigt, ob durch die Tat schwere Folgen auftreten (z.B. ob das Opfer eine psychische Erkrankung erleidet usw.).
- Reue: Dazu wird berücksichtigt, ob der Täter Reue zeigt, wenn der Täter das Unrecht seiner Tat einsieht, reduziert dies die Strafe.
- Schwere der Tat: Es wird im Rahmen der Strafzumessung berücksichtigt, wie schwer die Schuld bei der Handlung ist, eine einmalige Beleidigung wird beispielsweise weniger hart bestraft als das Opfer über lange Zeit im Rahmen einer Nachstellung zu verfolgen.
- Vorstrafen: Es wird außerdem berücksichtigt, ob beim Täter einschlägige Vorstrafen bestehen. Wenn relevante Vorstrafen vorliegen, erhöht dies die Strafe.
Wenn im Rahmen des Catcallings eine Straftat stattfindet, werden die Ermittlungen häufig eingestellt. Die meisten Staatsanwaltschaften sind stark überlastet und konzentrieren sich deshalb auf schwerwiegende Straftaten. Zu den schwerwiegenden Straftaten gehört weder die sexuelle Belästigung noch die Beleidigung oder das Nachstellen. Die Staatsanwaltschaft kann die Ermittlungen aus zwei Gründen einstellen:
- Kein Verdacht: Zu einer Verfahrenseinstellung kommt es einerseits, wenn sich der Verdacht gegen den Beschuldigten im Rahmen der Ermittlungen nicht bestätigt.
- Geringfügigkeit: Selbst, wenn sich der Verdacht gegen den Beschuldigten erhärtet, kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Geringfügigkeit einstellen. Voraussetzung ist dafür, dass die Schuld des Beschuldigten gering ist. Bei der sexuellen Belästigung handelt es sich um eine eher geringfügige Straftat, sodass die Chancen für eine Verfahrenseinstellung sehr gut stehen. Anstatt die Ermittlungen ohne weitere Konsequenzen einzustellen, kann die Einstellung des Ermittlungsverfahrens davon abhängig gemacht werden, dass der Beschuldigte eine Auflage erfüllt. Die Auflage besteht in den meisten Fällen darin, dass eine Geldzahlung geleistet werden muss. Zwar müssen Sie in solchen Fällen Geld bezahlen, allerdings besteht auch der große Vorteil, dass Ihnen ein aufwendiges Gerichtsverfahren erspart bleibt.
Wie verteidigt man sich gegen Vorwürfe wegen Catcalling?
Wenn Ihnen eine der genannten Straftaten (sexuelle Belästigung, Beleidigung oder Nachstellen) vorgeworfen wird, sollten Sie zeitnah einen Rechtsanwalt kontaktieren. Es handelt sich um wenig schwerwiegende Straftaten, sodass bei einer rechtzeitigen, zielgerichteten Verteidigung sehr gute Chancen bestehen, dass das Verfahren eingestellt wird. Voraussetzung ist dafür allerdings, dass Sie die folgenden Tipps beachten:
- Keine Aussage: Sie sollten keine Aussage gegenüber der Polizei abgeben. Entsprechende Aussagen führen sehr oft im Laufe des Verfahrens zu Problemen. Sollte eine Aussage ausnahmsweise sinnvoll sein, kann die Aussage auch noch später ohne Nachteile abgegeben werden. Gleiches gilt auch für die Herausgabe von Unterlagen.
- Ruhe bewahren: Es ist sehr wichtig, dass Sie ruhig bleiben. Wenn Sie beispielsweise anfangen, das vermeintliche Opfer zu kontaktieren und ihr Vorwürfe zu machen, besteht das Risiko, dass dies als Zeugenbeeinflussung gesehen wird, was erhebliche Nachteile für sie haben kann.

