Aussage gegen Aussage
Aussage gegen Aussage 2 gegen 1

Aussage gegen Aussage: Wie entscheidet das Gericht bei 2 gegen 1

Profilbild von Tobias Escherich, Volljurist und Autor bei STARK STRAFRECHT
Tobias Escherich
Volljurist
Stand: 
6.4.2026

Das wichtigste in Kürze

  • Bei einer Aussage-gegen-Aussage-Konstellation, bei der zwei Aussagen gegen eine Aussage stehen, bekommt in den meisten Fällen die Seite mit den zwei Aussagen recht. 
  • Um das Gericht zu überzeugen, ist es erforderlich, dass die beiden Aussagen überzeugend sind (z.B. viele Details, kein Widerspruch usw.).
  • Eine Verurteilung kann durch eine Aussage verhindert werden, wenn sie in der Lage ist, Zweifel an der Richtigkeit der beiden Aussagen hervorzurufen.

Wer bekommt bei zwei Aussagen gegen eine Aussage Recht?

Wenn zwei Aussagen gegen eine Aussage steht, bekommt in den meisten Fällen die Seite mit zwei Aussagen Recht. Grundlage der gerichtlichen Entscheidung ist die Beweiswürdigung. Es kommt zu einer Verurteilung, wenn das Gericht keine ernsthaften Zweifel hat. Wenn zwei Aussagen gegen eine Aussage stehen, kommen Gerichte häufig dazu, dass sie keine Zweifel an der Aussage der beiden Zeugen haben.

  • 2 Entlastungszeugen: Bei zwei Entlastungszeugen kommt es in der Regel zu einem Freispruch. 
  • 2 Belastungszeugen: Bei zwei Belastungszeugen ist es üblich, dass es zu einer Verurteilung kommt.

Allerdings kommt die konkrete Entscheidung auf die Umstände im Einzelfall an:

  • 2 Beschuldigte: Wenn bisher A und B wegen eines Diebstahls beschuldigt wurden und diese nun den C beschuldigen, der die Vorwürfe abstreitet, dann bedeuten die Vorwürfe durch A und B nicht, dass der C automatisch verurteilt wird. A und B haben beide das Ziel, die Vorwürfe von sich abzulenken. Diese Motivation berücksichtigt das Gericht im Rahmen der Beweiswürdigung.
  • Polizist: Wenn A behauptet, der B habe ihn geschlagen und dazu noch eine Aussage eines Polizisten vorliegt, welche die Aussage des A bestätigt, dann ist eine Verurteilung sehr wahrscheinlich. Hintergrund ist, dass die Aussage eines unabhängigen Zeugen (hier der Polizist) eine sehr hohe Bedeutung hat und deshalb die Entscheidung des Gerichts maßgeblich beeinflusst.
  • Widersprüchlich: Wenn A und B den C beschuldigen, den A geschlagen zu haben, sich die Aussagen von A und B allerdings in wichtigen Aspekten widersprechen, dann haben die Aussagen von A und B einen geringen Wert. Entsprechend werden solche Aussagen das Gericht kaum beeinflussen. 

Wie wird im Rahmen der Beweiswürdigung entschieden, wer Recht bekommt?

Gerichte entscheiden anhand der Beweiswürdigung, wer in einem Gerichtsverfahren Recht bekommt. Nachdem in einem Gerichtsverfahren alle Beweismittel aufgenommen wurden, kommt es zu der Bewertung der Beweismittel durch die Gerichte. Es kommt zu einer Verurteilung durch das Gericht, wenn das Gericht keine vernünftigen Zweifel an der Schuld des Beschuldigten hat. 

Im Rahmen der Beweiswürdigung berücksichtigt das Gericht die folgenden Aspekte:

  • Überzeugungskraft: Das Gericht berücksichtigt zum einen, wie überzeugend eine Aussage ist. Wenn beispielsweise ein Zeuge ein Geschehen aus einigen hundert Metern Entfernung beobachtet hat und dabei nur eine eingeschränkte Sicht auf das Geschehen hatte, dann ist die Aussage weniger überzeugend als eine Zeugenaussage, die das Geschehen aus nächster Nähe beobachtet hat.
  • Glaubhaftigkeit: Im Rahmen der Glaubhaftigkeit wird berücksichtigt, ob es Motive oder Umstände gibt, die berücksichtigt werden müssen, da sie beeinflussen, ob einer Aussage geglaubt werden kann oder nicht. Wenn beispielsweise ein ebenfalls Angeklagter einen anderen Beschuldigten belastet, muss berücksichtigt werden, dass ein Motiv dafür besteht, sich selbst zu belasten und den Verdacht auf eine andere Person zu lenken.
  • Aussagetiefe: Je detaillierter eine Aussage ist, desto höher ist die Glaubhaftigkeit der Aussage. Wenn sich ein Zeuge an viele Details erinnern kann, ist dies ein Zeichen dafür, dass er das Geschehen zutreffend und umfassend erfasst hat und wiedergeben kann.
  • Übereinstimmung: Es wird geprüft, inwieweit ein Beweismittel mit anderen Umständen und Beweismitteln übereinstimmt. Wenn beispielsweise zwei belastende Zeugenaussagen vorliegen, sich diese Aussagen allerdings inhaltlich widersprechen, dann ist eine solche Zeugenaussage nicht geeignet, um das Gericht zu überzeugen.

Diese Aspekte werden auch berücksichtigt, wenn zwei Aussagen gegen eine Aussage stehen. Wenn – wie dargestellt – sich zwei Beschuldigte „verbünden“, um den Verdacht auf eine andere Person zu lenken, sich die Aussagen der Beschuldigten allerdings inhaltlich widersprechen, dann sind solche Aussage nicht geeignet, zu einer Verurteilung zu führen.

Wie kann bei zwei Aussagen gegen eine Aussage ein Freispruch erreicht werden?

In einer Situation von zwei Aussagen gegenüber einer Aussage kommt es zu einem Freispruch, wenn die Aussagen der beiden Zeugen nicht geeignet sind, das Gericht zu überzeugen. Ziel der Verteidigung ist entsprechend in einer solchen Situation, so viele Zweifel hervorzurufen, dass es zu keiner Verurteilung kommt:

  • Aussage anzweifeln: Um eine Verurteilung zu verhindern, ist es hilfreich, aufzuzeigen, weshalb die Aussagen beiden Zeugen nicht zutreffen. Dabei ist es nicht erforderlich, die Aussagen vollständig als Lüge darzustellen. Es ist allerdings wichtig, konkret darauf hinzuweisen, woraus sich die Zweifel an der Richtigkeit der Aussage ergeben.
  • Aussage bestärken: Dazu ist es wichtig, dass die eigene Aussage besonders glaubwürdig ist. Dies setzt voraus, dass die Aussage detailliert ist und sich jedenfalls Teile der Aussage unabhängig überprüfen lassen.
  • Weitere Beweismittel: Um eine Verurteilung zu verhindern, ist es besonders effektiv, weitere Beweismittel vorzulegen. Wenn beispielsweise ärztliche Gutachten, Videoaufnahmen usw. vorgelegt werden können, bestehen sehr gute Chancen, eine Verurteilung zu verhindern. Der Vorteil an weiteren Beweismitteln ist, dass insbesondere Beweismittel, die nicht beeinflusst werden können, eine starke Überzeugungskraft haben.

Häufig gestellte Fragen

Wie entscheidet das Gericht bei Aussage gegen Aussage mit zwei Entlastungszeugen?
Bei Aussage gegen Aussage mit zwei Entlastungszeugen entscheidet das Gericht grundsätzlich zu Gunsten des Angeklagten.
Wie entscheidet das Gericht bei Aussage gegen Aussage mit zwei Belastungszeugen?
Bei Aussage gegen Aussage mit zwei Belastungszeugen wird der Beschuldigte grundsätzlich verurteilt.
Wer gewinnt bei Aussage gegen Aussage, wenn mehrere Zeugen vorliegen?
Bei Aussage gegen Aussage gewinnt in den meisten Fällen derjenige, der mehr und überzeugendere Zeugen vorweisen kann.
Wie macht man eine Aussage glaubhaft?
Eine Aussage ist glaubhaft, wenn sie umfassend ist, sich mit den übrigen Gegebenheiten ergänzt, eine hohe Aussagenkonstanz vorliegt und keine Motivation für eine Falschaussage ersichtlich ist.
Wie überzeugt man das Gericht bei Aussage gegen Aussage?
Bei Aussage gegen Aussage ist es wichtig, die eigene Aussage als besonders überzeugend darzustellen sowie Zweifel an der Aussage der anderen Seite hervorzurufen.