Sexuelle Belästigung von Kindern: Alles, was Sie wissen müssen
Das wichtigste in Kürze
- Die sexuelle Belästigung von Kindern ist nach § 184i StGB strafbar.
- Der Unterschied zwischen einer sexuellen Belästigung und einem sexuellen Missbrauch besteht darin, dass bei der sexuellen Belästigung nur eine leichte Berührung vorliegt und beim sexuellen Missbrauch eine sexuelle Handlung (z.B. Geschlechtsverkehr).
- Wenn Ihnen die sexuelle Belästigung von Kindern vorgeworfen wird, sollten Sie schnellstmöglich einen Anwalt kontaktieren. Auf diesem Weg haben Sie die bestmöglichen Verteidigungschancen.
Was ist die sexuelle Belästigung von Kindern?
Als sexuelle Belästigung von Kindern werden Taten bezeichnet, bei denen Kinder in sexueller Weise berührt werden und sich die Kinder durch die Berührung belästigt fühlen. Die sexuelle Belästigung ist nach § 184i StGB strafbar, wenn die folgenden Voraussetzungen vorliegen:
- Berührung: Die sexuelle Belästigung setzt eine körperliche Berührung voraus. Deshalb wird beispielsweise das Hinterherrufen nicht von der sexuellen Belästigung nach § 184i StGB erfasst.
- Sexuell bestimmte Weise: Die Berührung muss in sexuell bestimmter Weise erfolgen. Das bedeutet konkret, dass das äußere Erscheinungsbild nach den konkreten Umständen einen sexuellen Bezug hat.
(z.B. eine Frau am Po oder der Brust berühren) - Belästigung: Die Berührung muss dazu führen, dass sich das Opfer unwohl, also belästigt, fühlt.
- Wissen & Wollen: Dazu muss der Täter bewusst vorgehen. Entsprechend scheiden etwa plötzliche oder unkontrollierte Bewegungen aus (z.B. bei einem Konzert wird die Hand gestoßen und berührt den Intimbereich eines Kindes).
Die sexuelle Belästigung kann sich auch gegen Kinder richten. Die sexuelle Belästigung unterscheidet sich vom sexuellen Missbrauch dadurch, dass es beim sexuellen Missbrauch zu sexuellen Handlungen (z.B. Geschlechtsverkehr, intensive Küsse, gegenseitige Befriedigung usw.) kommt, während es bei der sexuellen Belästigung nur zu sexualisierten Berührungen kommt. In Ausnahmefällen kann die sexuelle Belästigung auch als Missbrauch strafbar sein:
- Missbrauch ohne Körperkontakt: Wenn sexuelle Handlungen vor einem Kind vorgenommen werden (z.B. Selbstbefriedigung) oder Kindern pornografische Inhalte zugeschickt werden, dann liegt ein sexueller Missbrauch ohne Körperkontakt vor.
- Vorbereitung: Wer mit Kindern über Chatnachrichten oder das Telefon kommuniziert, damit es zu sexuellen Handlungen mit dem Kind kommt, macht sich wegen der Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern strafbar.
Wie wird die sexuelle Belästigung bei Kindern bestraft?
Bei einer Verurteilung wegen sexueller Belästigung droht eine Geldstrafe oder eine Gefängnisstrafe von bis zu 2 Jahren. Wenn sich die sexuelle Belästigung gegen Kinder richtet, spricht dies grundsätzlich dafür, dass sich die Strafe eher am oberen Ende des Strafrahmens bewegt. Kinder sind besonders schützenswert, weil sie sich noch nicht allein verteidigen können. Zu einer Gefängnisstrafe kommt es trotzdem nur selten. Deutlich wahrscheinlicher ist demgegenüber eine Verurteilung zu einer Geld- oder Bewährungsstrafe. Die Höhe der Geldstrafe orientiert sich dabei an Ihrem Nettogehalt und der Schwere der Schuld. In den meisten Fällen beträgt die Geldstrafe mehrere tausend Euro.
- Bewährungsstrafe: Gefängnisstrafen unter 2 Jahren werden grundsätzlich zur Bewährung ausgesetzt. Das bedeutet konkret, dass Sie (noch) nicht in das Gefängnis gehen müssen. Zu einem Aufenthalt im Gefängnis kommt es nur, wenn Sie gegen die Bewährungsauflagen verstoßen (z.B. erneut eine Straftat begehen).
- Geldstrafe: Wenn Sie zu einer Geldstrafe verurteilt werden, liegt die Geldstrafe in den meisten Fällen im oberen vierstelligen Bereich (also mehrere tausend Euro). Die Höhe der Geldstrafe wird durch die Schwere der Schuld und das Einkommen bzw. Vermögen des Täters bestimmt.
Wann kommt es bei der sexuellen Belästigung von Kindern zu einer Verfahrenseinstellung?
Bei der sexuellen Belästigung kommt es sehr häufig zu Verfahrenseinstellungen. Das Ermittlungsverfahren wird entweder eingestellt, wenn Ihnen die Straftat nicht nachgewiesen werden kann, oder wenn es sich um eine geringfügige Begehung handelt, bei der kein Gerichtsprozess erforderlich ist. Da die meisten Staatsanwaltschaften überlastet sind, werden geringfügige Delikte häufig und schnell eingestellt. Bei der sexuellen Belästigung handelt es sich verglichen mit anderen Delikten (z.B. Mord, Raub usw.) um eher milde Delikte. Wenn sich die sexuelle Belästigung allerdings gegen Kinder richtet, spricht dies eher dagegen, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen schnell einstellt. Je nach der konkreten Begehung bestehen gute Chancen, dass die Ermittlungen eingestellt werden. Teilweise werden die Ermittlungen nur gegen Auflage eingestellt, in einem solchen Fall muss eine Auflage (idR eine Geldzahlung) erfüllt werden, damit es zu der Einstellung kommt.
Die Einstellung der Ermittlungen ist aus einer Vielzahl von Gründen attraktiv. Die Einstellung der Ermittlungen führt dazu, dass es zu keinem Gerichtsverfahren kommt. Selbst wenn Sie in einem Gerichtsverfahren freigesprochen werden, fallen hohe Kosten für die Verteidigung, Gutachter usw. an. Dazu ziehen sich Gerichtsverfahren in der Regel über mehrere Monate und bedeuten eine sehr hohe Stressbelastung. Außerdem wird eine Einstellung auch nicht im Führungszeugnis eingetragen, sodass sie auch weiterhin als nicht vorbestraft gelten.
Wie verteidigt man sich gegen den Vorwurf der sexuellen Belästigung?
Wenn Ihnen vorgeworfen wird, ein Kind sexuell belästigt zu haben, sollten Sie schnellstmöglich einen Strafverteidiger kontaktieren. Mit einer rechtzeitigen, zielgerichteten Verteidigung bestehen sehr gute Chancen, dass die strafrechtlichen Ermittlungen eingestellt werden. Außerdem sollten Sie die folgenden Tipps berücksichtigen:
- Keine Aussage: Sie sollten keine Aussage gegenüber der Polizei abgeben. Entsprechende Aussagen führen sehr oft im Laufe des Verfahrens zu Problemen. Sollte eine Aussage ausnahmsweise sinnvoll sein, kann die Aussage auch noch später ohne Nachteile abgegeben werden. Gleiches gilt auch für die Herausgabe von Unterlagen.
- Ruhe bewahren: Es ist sehr wichtig, dass Sie ruhig bleiben. Wenn Sie beispielsweise anfangen, das vermeintliche Opfer zu kontaktieren und ihm Vorwürfe zu machen, besteht das Risiko, dass dies als Zeugenbeeinflussung gesehen wird, was erhebliche Nachteile für Sie haben kann.
- Arbeitsrecht: Wenn die angebliche Belästigung einen Bezug zu Ihrer Arbeit hat (z.B. als Lehrer, Pfleger oder Kindergärtner), ist es sehr wichtig, dass im Rahmen der Verteidigung auch die arbeitsrechtlichen Konsequenzen berücksichtigt werden. Schon der Vorwurf der Belästigung kann in sehr schwerwiegenden Fällen eine Kündigung rechtfertigen (sog. Verdachtskündigung). Mit einer zielgerichteten Verteidigung kann eine solche Kündigung häufig verhindert werden.

