Glaubwürdigkeit von Zeugen: Alles, was Sie wissen müssen
Das wichtigste in Kürze
- Die Glaubwürdigkeit von Zeugen beeinflusst, welches Gewicht die Aussage im Rahmen der Beweiswürdigung hat.
- Für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit kommt es unter anderem auf den Detailgrad und die Motivation des Zeugen an.
- Wenn Zeugen bewusst eine falsche Aussage tätigen, besteht das Risiko, eine Straftat zu begehen.
Was bedeutet die Glaubwürdigkeit von Zeugen?
Die Glaubwürdigkeit von Zeugen bedeutet, in welchem Umfang der Aussage eines Zeugen geglaubt wird. Gerichte haben die Aufgabe, herauszufinden, ob eine Tat begangen wurde oder nicht. Zeugen stellen für Gerichte ein sehr wichtiges Beweismittel dar. Eine Zeugenaussage alleine reicht nicht aus, um das Gericht zu überzeugen. Es ist zusätzlich erforderlich, dass das Gericht die Zeugenaussage für zutreffend hält. Dafür ist die Glaubwürdigkeit von hoher Bedeutung, je höher die Glaubwürdigkeit eines Zeugen, desto höher ist das Gewicht der Aussage bei der Beweiswürdigung.
Anhand welcher Kriterien wird die Glaubwürdigkeit von Zeugen beurteilt?
Die Glaubwürdigkeit eines Zeugen ergibt sich aus einer Analyse aller Umstände des Einzelfalls. Es gibt keine festen Voraussetzungen, wann ein Zeuge als glaubwürdig gilt und wann nicht. Stattdessen erfolgt durch die Richter eine umfassende Analyse aller Umstände des Einzelfalls. Die folgenden Kriterien werden dabei häufig berücksichtigt:
- Detailgrad: Je höher der Detailgrad einer Aussage, desto höher ist grundsätzlich die Glaubwürdigkeit eines Zeugen. Wenn sich ein Zeuge an viele Details erinnern kann, ist dies ein Zeichen dafür, dass er das Erlebte vollständig erfasst hat und zuverlässig wiedergeben kann.
- Ergänzbar: Für die Glaubwürdigkeit eines Zeugen spricht, wenn sich die Aussage des Zeugen in andere feststehende Tatsachen einfügt. Wenn beispielsweise Teile der Aussage mit Aufnahmen einer Überwachungskamera übereinstimmen, spricht dies für die Glaubwürdigkeit des Zeugen.
- Konstanz: Die Aussagekonstanz ist ein wesentlicher Faktor dafür, ob ein Zeuge glaubwürdig ist. Wenn ein Zeuge bei jeder Vernehmung eine andere Aussage tätigt, spricht dies nicht für die Glaubwürdigkeit des Zeugen. Wenn der Zeuge hingegen in mehreren Vernehmungen konstant die gleiche Aussage tätigt, wobei nicht der Eindruck entstehen darf, dass die Aussage ausgedacht ist, spricht dies für eine hohe Glaubwürdigkeit des Zeugen.
- Motiv: Dazu wird bei der Einschätzung der Glaubwürdigkeit auch berücksichtigt, wie die Motivationslage des Zeugen ist. Wenn der Zeuge beispielsweise ein Motiv dafür hat, den Beschuldigten zu belasten oder zu entlasten, dann ist die Motivationslage bei der Einschätzung der Glaubwürdigkeit zu berücksichtigen. Wenn der Zeuge beispielsweise selbst Beschuldigter ist, kann eine belastende Aussage auch eine Schutzbehauptung darstellen, um den Verdacht auf eine andere Person zu lenken. In einem solchen Fall ist die Glaubwürdigkeit des Zeugen reduziert.
Basierend auf diesen Kriterien ist die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu beurteilen. Deshalb ist beispielsweise die Glaubwürdigkeit von Zeugen in den folgenden Fällen als gering anzusehen:
- Widersprüchlich: Wenn eine Zeugenaussage in sich widersprüchlich ist, ist dies ein starkes Zeichen dafür, dass die Glaubwürdigkeit des Zeugen gering ist.
- Oberflächlich: Sehr oberflächliche Zeugenaussagen, die einen geringen Detailgrad aufweisen und wenn Zeugen nicht in der Lage sind, Nachfragen zu beantworten, spricht dieser Umstand dies für eine geringe Glaubwürdigkeit. Hintergrund ist, dass in einer solchen Situation erhebliche Zweifel daran bestehen, dass die Aussage des Zeugen zutrifft.
- Selbstbegünstigung: Wenn der Zeuge sich durch die Aussage selbst begünstigt, etwa um den Verdacht von sich auf eine andere Person zu lenken, spricht dies für eine geringe Glaubwürdigkeit. In einer solchen Situation besteht das hohe Risiko, dass der Zeuge nicht die Wahrheit sagt.
Welche Folgen hat es, wenn ein Zeuge nicht glaubwürdig ist?
Eine geringe Glaubwürdigkeit des Zeugen hat grundsätzlich zur Konsequenz, dass das Gericht der Aussage im Rahmen der Beweiswürdigung nur ein geringes Gewicht beimisst. Das bedeutet nicht, dass die Aussage vollständig nicht berücksichtigt wird, allerdings ist der Einfluss auf das Gericht gering.
Kommt das Gericht zu der Auffassung, dass die Aussage falsch ist, besteht das Risiko, dass sich der Zeuge strafbar gemacht hat. Eine Falschaussage kann verschiedene Straftatbestände erfüllen. In Betracht kommen insbesondere die Strafvereitelung, die Falschaussage, der Meineid sowie die falsche Verdächtigung.
Wie unterscheiden sich die Glaubwürdigkeit und die Glaubhaftigkeit?
Der Unterschied zwischen der Glaubwürdigkeit und der Glaubhaftigkeit besteht darin, dass sich die Glaubhaftigkeit auf die konkrete Aussage und die Glaubwürdigkeit allgemein auf eine Person bezieht. Im Rahmen der Beweiswürdigung wurde früher dazwischen differenziert, ob ein Zeuge als Person insgesamt vertrauenswürdig ist, die sogenannte Glaubwürdigkeit, und ob die konkrete Aussage vertrauenswürdig ist, die sogenannte Glaubhaftigkeit. Die Differenzierung zwischen der Glaubwürdigkeit und der Glaubhaftigkeit ist eher für die Wissenschaft interessant. In der Praxis wird nicht wirklich zwischen der Glaubhaftigkeit und der Glaubwürdigkeit differenziert.

