Anzeige Vergewaltigung: Alles, was Sie wissen müssen
Das wichtigste in Kürze
- Wenn Sie wegen einer Vergewaltigung angezeigt werden, sollten Sie unmittelbar einen Verteidiger kontaktieren.
- Nach einer Anzeige beginnt die Polizei mit umfangreichen Ermittlungen.
- Beschuldigte erfahren von der Anzeige häufig erst durch die Vorladung von der Polizei.
Wie reagiert man auf eine Anzeige wegen einer Vergewaltigung?
Wenn Sie wegen einer Vergewaltigung angezeigt werden, sollten Sie schnellstmöglich einen Strafverteidiger kontaktieren. Beschuldigte erfahren häufig erst aufgrund einer Vorladung von der Anzeige. Wenn Sie bereits zuvor Kenntnis davon erlangen, dass Sie wegen einer Vergewaltigung angezeigt werden, sollten Sie bereits vor der Vorladung einen Anwalt kontaktieren. Fehler am Anfang der Ermittlungen können häufig im Rahmen der Ermittlungen nicht wieder korrigiert werden. Für die bestmögliche Verteidigung ist es wichtig, dass Sie unmittelbar einen Anwalt kontaktieren. Auf diesem Weg kann umgehend eine individuelle Verteidigungsstrategie entworfen werden. Außerdem sollten Sie die folgenden Tipps beachten:
- Keine Aussage: Sie sollten keine Aussage tätigen, weder gegenüber der Polizei noch gegenüber der Staatsanwaltschaft. Hintergrund ist, dass eine einmal getätigte Aussage in der Regel nicht mehr zurückgenommen werden kann. Demgegenüber ist es allerdings problemlos möglich, eine Aussage später zu tätigen. Entsprechend sollte eine Aussage gegenüber der Polizei und Staatsanwaltschaft nur nach Rücksprache mit dem Verteidiger gemacht werden.
- Keine Herausgabe: Gleiches gilt für die Herausgabe von Unterlagen. Es stellt kein Problem dar, die Herausgabe von Unterlagen nachzuholen. Es ist allerdings sehr schwierig, einmal herausgegebene Unterlagen zurückzuerhalten, ohne dass die Unterlagen bei den Ermittlungen berücksichtigt werden dürfen. Entsprechend sollte gemeinsam mit dem Anwalt sorgfältig überlegt werden, welche Unterlagen an die Polizei herausgegeben werden.
- Chats speichern: Ein besonders wichtiges Beweismittel bei Ermittlungen wegen einer Vergewaltigung sind Chats. Entsprechend sollten Sie unbedingt die geführten Chats speichern. Chats sind ein besonders wichtiges Mittel, um Sie zu entlasten. Wer Ihnen beispielsweise geschrieben hat, dass der Abend sehr schön war, kann Ihnen kaum ein paar Wochen später eine Vergewaltigung vorwerfen.
- Keine Entschuldigung: Sie sollten sich auf keinen Fall gegenüber dem vermeintlichen Opfer entschuldigen. Eine solche Entschuldigung wird von Gerichten häufig als Schuldeingeständnis angesehen. Deshalb sollten Sie sich auf keinen Fall entschuldigen, nicht einmal „aus Höflichkeit“.
Was passiert nach einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung?
Nach einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung erfolgt in den meisten Fällen erst einmal eine Untersuchung des Opfers. Wenn die Tat zeitnah erfolgt ist, wird etwa versucht, DNA-Spuren und andere Beweise am Körper des vermeintlichen Opfers zu sichern. Insgesamt läuft das Verfahren nach einer Anzeige wie folgt ab:
- Ermittlungen: Nach der Anzeige nehmen die Polizei und die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf. Im Rahmen der Ermittlungen versucht die Polizei zum einen alle verfügbaren Beweise zu finden. Neben dem Auffinden der Beweise werden die Beweise auch ausgewertet. Bei vielen Ermittlungsverfahren wegen einer Vergewaltigung steht es Aussage-gegen-Aussage. Das bedeutet, dass als Beweismittel vorrangig die beiden Aussagen zur Verfügung stehen. In einem solchen Fall werden die Aussagen sehr detailliert geprüft und gewürdigt.
- Anklage oder Einstellung: Sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind, entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob die Ermittlungen eingestellt werden oder die Tat angeklagt wird, sodass es zu einem Gerichtsprozess kommt. Voraussetzung für eine Anklage ist, dass eine Verurteilung des Beschuldigten wahrscheinlich ist.
- Gerichtsverfahren: Sollte sich die Staatsanwaltschaft für eine Anklage entscheiden, findet ein Gerichtsprozess statt. Bei dem Gerichtsprozess muss berücksichtigt werden, dass alle Beweismittel neu aufgenommen werden. Das bedeutet beispielsweise, dass die Zeugen neu vernommen werden usw. Hintergrund ist, dass sich das Gericht selbst ein Bild von den Beweisen machen soll.
Wie verteidigt man sich gegen Vergewaltigungsvorwürfe?
Bei Vergewaltigungsvorwürfen ist es sehr wichtig, dass eine individuelle Verteidigungsstrategie entworfen wird. Das Ziel der Verteidigung besteht darin, eine Verurteilung zu verhindern und eine Einstellung der Ermittlungen zu erreichen. Folgende Aspekte enthält die Verteidigungsstrategie in der Regel:
- Beweismittel vorlegen: Der beste Weg, um eine Verurteilung zu verhindern, besteht darin, Beweismittel vorzulegen, aus denen sich die Unschuld des Beschuldigten ergibt. Wenn der Beschuldigte beispielsweise eine Videoaufnahme hat, aus der sich eindeutig ergibt, dass es zu keinen sexuellen Handlungen gekommen ist, ist die Vorlage eines solchen Beweismittels sehr wichtig. Auch Indizien helfen bei der Verteidigung sehr. Wenn das vermeintliche Opfer beispielsweise nach der angeblichen Tatnacht geschrieben hat, wie schön der gemeinsame Abend war, dann ist es nicht glaubwürdig, wenn die Person nun behauptet, dass es zu einer Vergewaltigung gekommen ist.
- Widersprüche aufzeigen: Bei Vergewaltigungsvorwürfen hat die Aussage des vermeintlichen Opfers einen sehr hohen Stellenwert. Wenn Widersprüche aufgezeigt werden können, hilft dies sehr, um den Beweiswert der Aussage zu reduzieren.
- Geringe Glaubwürdigkeit: Weitere Möglichkeiten, um die Glaubwürdigkeit von Zeugen zu reduzieren, bestehen beispielsweise darin, bestehende psychische Störungen aufzudecken oder aufzuzeigen, dass ein Zeuge bereits zuvor mit Falschaussagen aufgefallen ist, hilft dies sehr, um eine Verurteilung zu verhindern.
Neben diesen „Klassikern“ gibt es noch etliche weitere Möglichkeiten, um eine Verurteilung zu verhindern.
Wann werden die Ermittlungen wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs eingestellt?
Bei Ermittlungen wegen einer Vergewaltigung kommt es zu einer Verfahrenseinstellung, wenn es der Staatsanwaltschaft nicht gelingt, die Straftat nachzuweisen. Zentral ist dafür eine überzeugende Verteidigung im Rahmen der Ermittlungen. Dazu kann die Bereitschaft der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen einzustellen, teilweise dadurch gefördert werden, dass der Beschuldigte bereit ist, eine Auflage zu erfüllen, beispielsweise Geld an ein Tierheim zu spenden.
Die Verfahrenseinstellung ist für Beschuldigte aus einer ganzen Reihe an Gründen vorteilhaft:
- Kein Gerichtsverfahren: Es kommt zu keinem öffentlichen Gerichtsverfahren. Entsprechend wird niemand davon erfahren, dass gegen Sie wegen einer Vergewaltigung ermittelt wurde.
- Kosten: Wenn Sie verurteilt werden, müssen Sie hohe Kosten tragen. Die Kosten für das Gericht sowie die Zeugen betragen in der Regel mehrere tausend Euro. Dazu kommt eine mögliche Geldstrafe, welche in der Regel ebenfalls mehrere tausend Euro beträgt. Selbst wenn Sie freigesprochen werden, müssen Sie einen Teil der Kosten selbst bezahlen. Beispielsweise werden die Kosten für die Verteidigung nur teilweise erstattet.
- Führungszeugnis: Bei einer Verfahrenseinstellung gelten Sie weiterhin als nicht vorbestraft. Entsprechend bleibt auch Ihr Führungszeugnis „leer“.

