Sexuelle Belästigung
Höhe Geldstrafe sexuelle Belästigung

Wie hoch ist die Geldstrafe bei sexueller Belästigung?

Profilbild von Tobias Escherich, Volljurist und Autor bei STARK STRAFRECHT
Tobias Escherich
Volljurist
Stand: 
6.4.2026

Das wichtigste in Kürze

  • Bei einer sexuellen Belästigung beträgt die Geldstrafe grundsätzlich mehrere hundert Euro. Teilweise sind auch Geldstrafen von mehreren tausend Euro möglich.
  • Die Höhe der Geldstrafe ist von der Schwere der Schuld und dem Einkommen des Täters abhängig.
  • Geldstrafen werden in Tagessätzen gemessen. Ein Tagessatz entspricht dem Nettoeinkommen, das dem Täter am Tag zur Verfügung steht.

Wie hoch ist die Geldstrafe bei der sexuellen Belästigung?

Die Geldstrafe beträgt bei sexueller Belästigung in der Regel mehrere tausend Euro. Die genaue Höhe der Geldstrafe hängt von mehreren Faktoren ab. Einen besonderen Einfluss auf die Höhe der Geldstrafe hat die Schuld des Täters. Je schwerer die Schuld, desto höher ist die Geldstrafe. Die Schwere der Schuld wird etwa durch die Folgen für das Opfer oder durch einschlägige Vorstrafen beeinflusst. Die Höhe der Geldstrafe wird in Tagessätzen bemessen, dafür sind die folgenden Faktoren relevant:

  • Anzahl der Tagessätze: Die Anzahl an Tagessätzen kann zwischen 5 und 360 Tagessätzen liegen. Die Schwere der Tat bestimmt die Anzahl an Tagessätzen. Je schwerwiegender eine Straftat ist, desto mehr Tagessätze gibt es. Bei der sexuellen Belästigung sind zwischen 60 und 90 Tagessätzen üblich.
  • Höhe eines Tagessatzes: Die Höhe eines Tagessatzes bestimmt sich nach dem Einkommen, das dem Beschuldigten am Tag zur Verfügung steht. Die Höhe eines Tagessatzes wird also alleine durch das Gehalt und das Vermögen des Beschuldigten bestimmt.
Beispiel: Wird ein Beschuldigter zu 60 Tagessätzen verurteilt und ein Tagessatz beträgt 50 €, dann liegt die Geldstrafe insgesamt bei 3.000 €.

Welche Faktoren beeinflussen die Anzahl an Tagessätzen?

Die Anzahl an Tagessätzen wird durch die Schuld des Beschuldigten bestimmt. Je höher die Schuld des Beschuldigten ist, desto höher ist die Anzahl an Tagessätzen. Die folgenden Faktoren beeinflussen die Schuld des Beschuldigten:

  • Vorstrafen: Wenn Beschuldigte einschlägig vorbestraft sind, steigert dies die Schuld erheblich. Es zeigt, dass Beschuldigte auch nach einer Verurteilung noch Straftaten begehen, sodass eine härtere Strafe erforderlich ist.
  • Folgen: Wenn die Tat schwerwiegende Folgen für das Opfer hat, steigert dies die Schuld des Beschuldigten. Die sexuelle Belästigung kann beispielsweise zu psychischen Problemen führen, sodass das Opfer in Therapie muss.
  • Motivation: Auch die Motivation des Beschuldigten beeinflusst erheblich die Höhe der Strafe. Wenn der Beschuldigte beispielsweise nur „Signale missverstanden“ hat, ist die Strafe geringer, als wenn er aus Missachtung gegenüber Frauen gehandelt hat.
  • Position: Die Schuld steigt erheblich, wenn der Beschuldigte eine Vertrauensstellung ausgenutzt hat.
  • Gemeinschaftliche Tatbegehung: Aus § 184i Abs. 2 StGB ergibt sich, dass die Schuld erheblich steigt, wenn mehrere Personen gemeinschaftlich die Tat begangen haben. In solchen Fällen kommt es sehr häufig zu Bewährungs- oder Haftstrafen.

Grundsätzlich sind zwischen 5 und 360 Tagessätzen möglich. Allerdings kommt es nur sehr selten zu weniger als 30 Tagessätzen. Dazu sind auch mehr als 180 Tagessätze eher selten. Wenn mehr als 180 Tagessätze angemessen wären, erfolgt häufig eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe.

Wie wird die Höhe eines Tagessatzes bemessen?

Die Höhe eines Tagessatzes orientiert sich an dem Einkommen, das dem Beschuldigten an einem Tag zur Verfügung steht. Das Einkommen, welches dem Beschuldigten am Tag zur Verfügung steht, bemisst sich vorrangig anhand des Nettoeinkommens des Beschuldigten. Dabei wird das monatliche Nettoeinkommen durch 30 geteilt (bei einem monatlichen Nettogehalt von 1.500 € beträgt das Nettoeinkommen am Tag 50 €). Sollten dazu weitere Einkommen bestehen, beispielsweise aus der Vermietung von Wohnungen oder Dividendeneinnahmen, werden auch diese berücksichtigt. Folgende Aspekte werden bei der Berechnung berücksichtigt:

  • Kosten: Im Rahmen der Berechnung des Nettoeinkommens werden erforderliche Kosten abgezogen. Beispielsweise Kosten für die Fahrt zur Arbeit oder auch die für das Leben unerlässlichen Ausgaben (z.B. Kosten für die Miete, für Essen usw.).
  • Vermögen: Bei besonders vermögenden Personen wird die Geldstrafe erhöht, da diese nicht allein von ihrem Einkommen abhängig sind.
  • Reduktion: Wenn eine Person mit ihrem Einkommen eine Familie versorgen muss, wird die Geldstrafe reduziert. Hintergrund ist, dass die Geldstrafe nur den Beschuldigten, nicht allerdings die üblichen Familienmitglieder treffen soll.

In den meisten Fällen wird die Höhe eines Tagessatzes geschätzt. Als Grundlage wird dafür das vermutete Einkommen genutzt.

Wie kann eine Geldstrafe reduziert werden?

Der beste Weg, um die Geldstrafe zu reduzieren, besteht darin, die Anzahl an Tagessätzen zu senken. Dafür ist es wichtig, dass der Richter im Rahmen der Strafzumessung zu einer geringen Anzahl an Tagessätzen verurteilt. Dies gelingt etwa dadurch, dass Aspekte vorgetragen werden, die für eine geringe Schuld sprechen (z.B. wenn in guter Absicht gehandelt wird, keine Vorstrafen bestehen usw.). Dazu helfen auch die folgenden Aspekte, um die Höhe der Geldstrafe zu reduzieren:

  • Keine Auskunft: Beschuldigte sind grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, Informationen über sich selbst preiszugeben. In einer solchen Situation schätzt die Staatsanwaltschaft die Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Die Schätzung ist dabei in der Regel niedriger, als die tatsächlichen Verhältnisse sind. Sollte die Schätzung wiederum zu hoch sein, ist eine nachträgliche Korrektur weiterhin möglich.
  • Verurteilung verhindern: Dazu ist es auch sehr hilfreich, insgesamt die Verurteilung zu verhindern. Beispielsweise ist die Geldauflage bei einer Einstellung des Ermittlungsverfahrens in der Regel deutlich günstiger als eine spätere Geldstrafe. Deshalb ist es sehr sinnvoll, einer Einstellung gegen (Geld-)Auflage zuzustimmen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Tagessatz bei einer Geldstrafe?
Als Tagessatz wird das Einkommen bezeichnet, das dem Beschuldigten am Tag zur Verfügung steht. Geldstrafen werden in Tagessätzen berechnet. Wenn ein Angestellter 3.000 € netto verdient, beträgt ein Tagessatz 100 €.
Wie wird die Höhe eines Tagessatzes bestimmt?
Die Höhe eines Tagessatzes orientiert sich am Nettoeinkommen. Nach Abzug der für das Leben erforderlichen Ausgaben (z.B. Miete, Essen usw.), bleibt das frei verfügbare Einkommen übrig. Ein Tagessatz entspricht dem frei verfügbaren Einkommen pro Tag.
Wie viele Tagessätze drohen bei einer Verurteilung wegen sexueller Belästigung?
Bei einer Verurteilung wegen sexueller Belästigung sind zwischen 60 und 90 Tagessätzen üblich. Die genaue Anzahl an Tagessätzen orientiert sich an den konkreten Umständen der Tat.
Kann eine Geldstrafe in Raten gezahlt werden?
Täter können die Geldstrafe grundsätzlich auch in Raten zahlen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Täter nicht in der Lage ist, die Geldstrafe auf einmal zu zahlen.
Welche Faktoren beeinflussen die Höhe einer Geldstrafe?
Die Höhe der Geldstrafe wird zum einen durch das Einkommen des Beschuldigten als auch durch die Schwere der Tat beeinflusst. Je höher das Einkommen bzw. je schwerer die Schuld, desto höher ist die Geldstrafe.