Anzeige wegen Vergewaltigung ohne Beweise: Alles, was Sie wissen müssen
Das wichtigste in Kürze
- Bei Vergewaltigungsvorwürfen ohne Beweise werden die Ermittlungen eingestellt.
- Um eine Verurteilung zu verhindern, ist eine zielgerichtete Verteidigungsstrategie wichtig.
- Bei Vergewaltigungsvorwürfen sollten Sie sofort einen Anwalt kontaktieren, um die bestmöglichen Verteidigungsmöglichkeiten zu haben.
Was passiert bei einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung ohne Beweise?
Bei einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung ohne Beweise stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen grundsätzlich ein. Wenn die Polizei und die Staatsanwaltschaft auch nach umfangreichen Ermittlungen keine Beweismittel finden, die den Vergewaltigungsvorwurf bestätigen, werden die Ermittlungen ohne Gerichtsverfahren eingestellt. Es kommen grundsätzlich zwei Gründe für die Einstellung der Ermittlungen in Betracht:
- Kein Verdacht: Wenn sich der Verdacht gegen Sie nicht bestätigen lässt, ist die Staatsanwaltschaft verpflichtet, das Ermittlungsverfahren einzustellen. Die Pflicht, die Ermittlungen einzustellen, ergibt sich aus § 170 StPO.
- Geringfügigkeit: Alternativ kann die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren auch wegen Geringfügigkeit einstellen. Erforderlich ist dafür, dass die Schuld des Beschuldigten gering ist (z. B. keine schweren Folgen, kein Wiederholungstäter usw.). Wenn sich die Staatsanwaltschaft weigert, die Ermittlungen mangels Verdachts nach § 170 StPO einzustellen, ist die Einstellung wegen Geringfügigkeit teilweise der einfachere Weg, eine Einstellung zu erreichen. Dabei müssen die Beschuldigten in der Regel eine Auflage erfüllen (idR eine Geldzahlung tätigen).
Die Einstellung der Ermittlungen ist aus einer Vielzahl von Gründen attraktiv. Die Einstellung der Ermittlungen führt dazu, dass es zu keinem Gerichtsverfahren kommt. Selbst wenn Sie in einem Gerichtsverfahren freigesprochen werden, fallen hohe Kosten für die Verteidigung, Gutachter usw. an. Dazu ziehen sich Gerichtsverfahren in der Regel über mehrere Monate und bedeuten eine sehr hohe Stressbelastung. Außerdem wird eine Einstellung auch nicht im Führungszeugnis eingetragen, sodass sie auch weiterhin als nicht vorbestraft gelten.
Wann droht bei Vergewaltigungsvorwürfen ohne Beweise eine Verurteilung?
Auch wenn die Vergewaltigungsvorwürfe nicht zutreffen, besteht die Möglichkeit, dass es zu einer Verurteilung kommt. Eine solche Verurteilung wäre fatal, weil bei der Vergewaltigung die Mindeststrafe bei 2 Jahren Gefängnis liegt. Das bedeutet, dass eine Verurteilung wegen einer Vergewaltigung zwingend zu einem Gefängnisaufenthalt führt.
Es kommt zu einer Verurteilung, wenn aus Sicht des Gerichts keine ernsthaften Zweifel an der Schuld des Beschuldigten bestehen. Im Rahmen des Gerichtsprozesses berücksichtigen die Gerichte alle zur Verfügung stehenden Beweismittel. Eine Verurteilung droht also nur, wenn es im Rahmen der Verteidigung nicht gelingt, dass ernsthafte Zweifel an der Schuld des Beschuldigten bestehen.
Bei Vergewaltigungsvorwürfen besteht häufig das Problem, dass nur sehr wenige Beweismittel zur Verfügung stehen. Abgesehen von dem vermeintlichen Opfer und dem Beschuldigten fehlt es in der Regel an unabhängigen Zeugen. Auch liegen meistens keine Videos von Überwachungskameras o.ä. vor, welche die Situation zweifelsfrei dokumentiert haben. Entsprechend sind die folgenden Indizien für den Prozess von sehr hoher Bedeutung:
- Untersuchung: Teilweise werden vermeintliche Opfer von Ärzten untersucht. Wenn dabei Indizien für Gewalteinwirkung vorliegen, ist dies beispielsweise ein Indiz dafür, dass es zu einer Vergewaltigung gekommen ist, sofern die Gewalt auf den Beschuldigten zurückgeführt werden kann.
- Chats: Chats, insbesondere wenn sie nach dem Vorfall stattgefunden haben, sind ein besonders wichtiges Indiz. Wenn sich der Beschuldigte beispielsweise am Tag nach der angeblichen Tat für den schlimmen Fehler am Vortag entschuldigt, spricht dies dafür, dass die Vergewaltigungsvorwürfe zutreffen.
Außerdem berücksichtigt das Gericht die Aussage des vermeintlichen Opfers sowie eine Aussage des Beschuldigten, sofern dieser eine Aussage tätigt. Wenn das Gericht dabei zu dem Schluss kommt, dass es keine Zweifel an der Schuld des Beschuldigten gibt, wird dieser verurteilt.
Wie kann eine Verurteilung bei Vergewaltigungsvorwürfen verhindert werden?
Eine Verurteilung kann bei Vergewaltigungsvorwürfen verhindert werden, wenn es der Verteidigung gelingt, dass das Gericht mindestens ernsthafte Zweifel an der Schuld des Beschuldigten hat. Dies gelingt am besten, indem zum einen überzeugende Beweismittel vorgelegt werden können, die die Unschuld des Beschuldigten belegen. Dazu ist es sinnvoll, herauszuarbeiten, weshalb die Aussage des vermeintlichen Opfers unglaubwürdig ist. Dafür ist es beispielsweise sinnvoll, Widersprüche in der Aussage herauszuarbeiten.
Die folgenden Verteidigungsmittel helfen dabei, eine Verurteilung zu verhindern:
- Glaubwürdigkeit steigern: Im Rahmen einer Aussage-gegen-Aussage-Situation prüft das Gericht sowohl die Aussage des vermeintlichen Opfers als auch die Aussage des Beschuldigten. Für eine Verurteilung ist es zum einen erforderlich, dass das Gericht dem Opfer glaubt und die Aussage des Beschuldigten für eine Lüge hält. Entsprechend ist es für eine erfolgreiche Verteidigung wichtig, herauszuarbeiten, dass die Aussage des Beschuldigten glaubwürdig ist.
- Zweifel an Aussage des Opfers: Dazu sollte im Rahmen der Verteidigung darauf geachtet werden, die Aussage des Opfers überzeugend anzuzweifeln. Dies gelingt etwa, indem aufgezeigt wird, dass die Aussage Widersprüche aufweist oder nachgewiesen wird, dass das Opfer bereits in der Vergangenheit gelogen hat.
- Zusätzliche Beweismittel: Eine Verurteilung kann sicher abgewendet werden, wenn Beweismittel vorgelegt werden, welche die Unschuld des Beschuldigten beweisen. Wenn beispielsweise eine Frau einem Mann schreibt, wie schön der letzte Abend war, dann ist ein Screenshot dieser Nachricht besonders hilfreich, um den Vergewaltigungsvorwurf zu entkräften.
Was tun bei Anzeige wegen einer Vergewaltigung?
Bei einer Anzeige wegen einer Vergewaltigung ist es wichtig, dass Sie unmittelbar einen Anwalt kontaktieren. Auf diesem Weg verhindern Sie, dass es zu Fehlern bei der Verteidigung kommt. Fehler zu Beginn der Ermittlungen können später nicht mehr korrigiert werden und verhindern deshalb häufig, dass es später zu einer Verfahrenseinstellung oder zu einem Freispruch kommt. Dazu sollten Sie auch die folgenden Tipps berücksichtigen:
- Keine Aussage: Sie sollten eine Aussage nur nach Rücksprache mit einem Anwalt tätigen. Andernfalls besteht das hohe Risiko, dass Sie sich selbst belasten. Gleiches gilt auch für die Herausgabe von Gegenständen oder Unterlagen. Es ist kein Problem, eine Aussage oder Herausgabe nachzuholen, es ist allerdings nicht möglich, eine einmal getätigte Aussage oder Herausgabe rückgängig zu machen.
- Beweismittel: Dazu ist es sinnvoll, zu schauen, ob Beweismittel zur Verfügung stehen, die sie entlasten. Wenn es beispielsweise entlastende Chatnachrichten, Zeugen oder Videoaufnahmen gibt, ist es wichtig, diese später in das Verfahren einzuführen.
- Arbeitsrecht: Wenn die angebliche Vergewaltigung einen Bezug zu Ihrer Arbeit hat, ist es sehr wichtig, dass Sie im Rahmen der Verteidigung auch die arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedenken. Schon der Vorwurf der Vergewaltigung kann eine Kündigung rechtfertigen (sog. Verdachtskündigung). Mit einer zielgerichteten Verteidigung kann eine solche Kündigung häufig verhindert werden. Es ist deshalb wichtig, dass Strafrecht & Arbeitsrecht kombiniert werden.

