Falsche Verdächtigung
Verteidigung gegen falsche Anschuldigungen

Wie wehrt man sich gegen falsche Anschuldigungen?

Profilbild von Tobias Escherich, Volljurist und Autor bei STARK STRAFRECHT
Tobias Escherich
Volljurist
Stand: 
6.4.2026

Das wichtigste in Kürze

  • Bei falschen Anschuldigungen sollten Sie vorerst keine Aussage tätigen. 
  • Wenn Sie sich direkt mit einer eigenen Aussage gegen die falschen Anschuldigungen verteidigen, besteht das hohe Risiko, dass Sie sich mit der Aussage selbst belasten – auch wenn Sie es aktuell nicht merken.
  • Sie sollten zeitnah einen Rechtsanwalt kontaktieren, um die besten Verteidigungschancen zu haben.

Wie sollten Sie bei falschen Anschuldigungen reagieren?

Bei falschen Anschuldigungen ist es sehr wichtig, dass Sie die Ruhe bewahren und erst einmal keine Aussage tätigen. Wer mit falschen Anschuldigungen konfrontiert wird, denkt häufig, dass eine eigene Aussage hilft, um sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Allerdings ist in den meisten Fällen das Gegenteil der Fall. Eine unvorbereitete Aussage stellt oft ein großes Problem dar. Solange Beschuldigte nicht genau wissen, was ihnen vorgeworfen wird, ist es nicht möglich, eine Aussage zu tätigen, die Sie wirklich entlastet. 

Stattdessen ist es sinnvoll, wenn Sie folgendermaßen auf falsche Anschuldigungen reagieren:

  • Anwalt: Ein Anwalt ist sehr hilfreich, um Sie vor den falschen Anschuldigungen zu schützen. Rechtsanwälte haben beispielsweise die Möglichkeit, Einsicht in die Ermittlungsakten zu nehmen. Auf diesem Weg können Rechtsanwälte eine passgenaue Verteidigungsstrategie entwerfen, die Ihnen wirklich hilft. Außerdem übernehmen Rechtsanwälte grundsätzlich die Kommunikation, sodass kein Risiko besteht, dass Sie sich aus Versehen mit einer Aussage selbst belasten.
  • Nichts herausgeben: Ähnlich wie bei der Aussage ist es nicht sinnvoll, dass Sie irgendetwas (z.B. Ihr Handy oder Ihren Computer) freiwillig herausgeben. Sollte eine Herausgabe sinnvoll sein, kann diese später ohne Probleme nachgeholt werden.
  • Beweise sichern: Es ist sehr wichtig, dass Sie mögliche Beweismittel sichern. Ein besonders gutes Beweismittel sind häufig Chatnachrichten. Wenn Ihnen beispielsweise nach einer Firmenfeier von einer Kollegin geschrieben wird, wie lustig und schön der letzte Abend war, ist diese Chatnachricht ein gutes Beweismittel, wenn Ihnen später vorgeworfen wird, dass Sie die Kollegin sexuell belästigt haben.

Welche Folgen können falsche Anschuldigungen haben?

Falsche Anschuldigungen können etwa zu einer Haftstrafe oder dem Verlust des Arbeitsplatzes führen. Entsprechend drohen durch eine falsche Anschuldigung schwerwiegende Konsequenzen. Hintergrund ist, dass es auch bei falschen Anschuldigungen zu einer Verurteilung kommen kann. Entsprechend droht bei einer Verurteilung etwa eine Haftstrafe. Um ein solches Fehlurteil zu verhindern, ist es sehr wichtig, von Anfang an zielgerichtet zu verteidigen.

Dazu drohen durch falsche Anschuldigungen auch die folgenden Nachteile:

  • Arbeitsrecht: Im Arbeitsrecht kann eine falsche Anschuldigung außerdem dazu führen, dass es zu einer Kündigung kommt. Dabei ist insbesondere zu beachten, dass alleine der Verdacht, dass eine Straftat begangen wurde, zu einer Kündigung führen kann. 
  • Verdachtskündigung: Bei einer Verdachtskündigung ist eine Kündigung allein aufgrund des Verdachts einer schwerwiegenden Straftat zulässig. So kann eine Kündigung beispielsweise alleine deshalb zulässig sein, weil der Verdacht eines sexuellen Übergriffs besteht. In solchen Fällen ist es sehr wichtig, unmittelbar einen Anwalt zu kontaktieren, um eine Kündigung zu verhindern. 
  • Stress: Dazu haben falsche Anschuldigungen auch unabhängig von der Verurteilung sehr nachteilige Folgen. Ermittlungen durch die Polizei führen zu einer hohen Stressbelastung. Deshalb ist es das Ziel, im Rahmen der Verteidigung schnellstmöglich zu erreichen, dass es zu einer Verfahrenseinstellung kommt. 

Wie erfolgt die Verteidigung bei falschen Anschuldigungen?

Um falsche Anschuldigungen zu entkräften, ist eine individuelle Verteidigungsstrategie erforderlich. Es gibt also nicht die eine Strategie, die in allen Fällen der beste Weg ist. Um sich erfolgreich zu verteidigen, ist es wichtig, dass Sie schnell einen Anwalt kontaktieren. Auf diesem Weg können Sie so schnell wie möglich eine Verteidigungsstrategie entwickeln, die zu Ihrem Fall passt. Außerdem verhindern Sie, dass Sie zu Beginn des Verfahrens Fehler machen, die Sie später nicht mehr korrigieren können. Anwälte haben dazu die Möglichkeit, Akteneinsicht zu nehmen. Auf diesem Weg ist gewährleistet, dass Sie wissen, was die Staatsanwaltschaft weiß. Entsprechend ist es in solchen Fällen möglich, die Verteidigungsstrategie an die konkreten Ermittlungen anzupassen. Neben der Akteneinsicht sind die folgenden Schritte im Rahmen der Verteidigung sinnvoll:

  • Beweismittel: Um möglichst schnell eine Verfahrenseinstellung zu erreichen, ist es sehr sinnvoll, entlastende Beweise vorlegen zu können. Wenn Ihnen beispielsweise ein sexueller Übergriff vorgeworfen wird, Sie allerdings von dem vermeintlichen Opfer nach dem Vorfall eine Nachricht erhalten haben, wie schön der letzte Abend war, dann ist die Nachricht ein gewichtiges Indiz dafür, dass es zu keinem Übergriff gekommen ist.
  • Zweifel: Außerdem sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Rechtsanwalt analysieren, welche Beweismittel nicht überzeugend sind. Wenn es dem Verteidiger beispielsweise gelingt, herauszuarbeiten, dass manche Beweismittel falsch sind oder als Beweismittel untauglich sind, hilft dies erheblich, um eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen.

Ein weiteres Ziel im Rahmen der Verteidigung besteht darin, die Verschwiegenheit sicherzustellen. Alleine die Ermittlungen durch die Polizei führen häufig dazu, dass Ihre Reputation erheblich leiden kann. Deshalb ist es wichtig, bereits durch die Verteidigung zu verhindern, dass es zu einem Gerichtsverfahren oder sichtbaren Ermittlungsmaßnahmen (z.B. einer Hausdurchsuchung) kommt.

Ist es sinnvoll, eine Gegenanzeige zu stellen?

Eine Gegenanzeige zu stellen, ist erst nach dem Ende des Verfahrens sinnvoll. Es ist in Deutschland strafbar, bewusst eine unschuldige Person anzuzeigen. In solchen Fällen droht eine Strafe von bis zu 5 Jahren Haft. Allerdings setzt die Strafe insbesondere voraus, dass die Person wusste, dass die Vorwürfe falsch sind. Der Nachweis dieser Voraussetzung ist besonders schwierig. Außerdem wertet die Staatsanwaltschaft die Gegenanzeige wegen falschen Anschuldigungen häufig als Provokation. Entsprechend ist es sinnvoll, sich zuerst darauf zu konzentrieren, dass es zu einer Verfahrenseinstellung kommt. Nach dem Abschluss des Verfahrens ist es dann sinnvoll, eine Gegenanzeige zu stellen. Neben der Gegenanzeige kann es sich auch anbieten, Schadensersatzansprüche sowie Unterlassungsansprüche geltend zu machen, um zu verhindern, dass die Person die falschen Anschuldigungen weiter verbreitet.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die beste Verteidigung gegen falsche Anschuldigungen?
Die beste Verteidigung gegen falsche Anschuldigungen besteht darin, die eigene Unschuld zu beweisen. Wie dies gelingt, besprechen Sie am besten mit einem Rechtsanwalt.
Ist es sinnvoll, bei falschen Anschuldigungen Beweise zu sichern?
Wenn Sie mit falschen Anschuldigungen konfrontiert werden, sollten Sie unbedingt Beweise sichern, die Ihre Unschuld beweisen.
Wer trägt bei falschen Anschuldigungen die Beweislast?
Wenn Ihnen eine Tat vorgeworfen wird, trägt die Polizei bzw. die Staatsanwaltschaft die Beweislast. Wenn eine Kündigung im Raum steht, muss der Arbeitgeber das Fehlverhalten beweisen.
Sollte bei falschen Anschuldigungen eine Gegenanzeige gestellt werden?
Eine Gegenanzeige sollte bei falschen Anschuldigungen nur in Ausnahmefällen gestellt werden. Sie sollten sich vorerst auf die Verteidigung gegen die Vorwürfe konzentrieren, bevor Sie eine Gegenanzeige stellen.
Wie verteidigt man sich gegen falsche Anschuldigungen?
Die beste Verteidigung gegen falsche Anschuldigungen besteht darin, die Vorwürfe zu entkräften. Dafür sollten Sie die Ruhe bewahren und entlastende Beweismittel vorlegen.