Stealthing
Stealthing strafbar

Stealthing strafbar

Profilbild von Tobias Escherich, Volljurist und Autor bei STARK STRAFRECHT
Tobias Escherich
Volljurist
Stand: 
6.4.2026

Das wichtigste in Kürze

  • Als Stealthing wird das Abziehen bzw. Nicht-Einsetzen eines Kondoms beim Geschlechtsverkehr bezeichnet, wenn der Einsatz eines Kondoms vereinbart wurde.
  • Stealthing wird mit einer Gefängnisstrafe zwischen 6 Monaten und 15 Jahren bestraft.
  • Stealthing stellt einen sexuellen Übergriff dar. In schwerwiegenden Fällen kommt auch eine Vergewaltigung in Betracht.

Ist Stealthing strafbar?

Stealthing ist in Deutschland strafbar. Als Stealthing wird das Abziehen bzw. Nicht-Einsetzen eines Kondoms beim Geschlechtsverkehr bezeichnet, wenn der Einsatz eines Kondoms vereinbart wurde. Das Stealthing stellt einen sexuellen Übergriff dar. Hintergrund ist, dass die Person nur in den Geschlechtsverkehr mit Kondom eingewilligt hat. Es liegt allerdings keine Einwilligung in Geschlechtsverkehr ohne Kondom vor, sodass ein sexueller Übergriff vorliegt. Dazu kommt, dass beim Geschlechtsverkehr ohne Kondom ein deutlich höheres Risiko besteht, dass Krankheiten übertragen werden oder es zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt.

Wie wird Stealthing bestraft?

Die Strafe für Stealthing liegt grundsätzlich bei einer Gefängnisstrafe zwischen 6 Monaten und 5 Jahren. Die genaue Höhe der Strafe hängt von den konkreten Umständen ab. Relevant für die Höhe der Strafe ist unter anderem, welche Folgen durch die Tat entstehen (z.B. werden Krankheiten übertragen), ob der Täter Reue zeigt, ob der Täter bereits ähnliche Straftaten begangen hat usw. 

  • Bewährungsstrafe: In den meisten Fällen werden Täter zu einer Bewährungsstrafe zwischen 6 Monaten und 1,5 Jahren verurteilt. Zu einer Gefängnisstrafe kommt es nur in sehr schwerwiegenden Fällen (z.B. bei Wiederholungstätern).
  • Vergewaltigung: Wenn nicht nur ein sexueller Übergriff vorliegt, sondern eine Vergewaltigung, dann liegt die Strafe nicht unter 2 Jahren Gefängnisstrafe. Sofern nur ein Stealthing vorliegt, ist es bisher nicht zu einer Verurteilung wegen einer Vergewaltigung gekommen.
  • Körperverletzung: Wenn es beim Stealthing dazu kommt, dass Krankheiten übertragen (z.B. HIV) werden, liegt eine gefährliche Körperverletzung vor. Bei der gefährlichen Körperverletzung droht eine Gefängnisstrafe von bis zu 10 Jahren.

Neben der Gefängnisstrafe drohen auch weitere negative Konsequenzen bei einer Verurteilung:

  • Schmerzensgeld: Das Opfer hat einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Beim Stealthing beträgt das Schmerzensgeld in den meisten Fällen mehrere tausend Euro.
  • Führungszeugnis: Die Verurteilung wird in das polizeiliche Führungszeugnis eingetragen. Entsprechend drohen also erhebliche Nachteile in der Zukunft, wenn das Führungszeugnis vorgelegt werden muss.
  • Auflagen: Sollte die Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe erfolgen, besteht die Möglichkeit, dass Sie zusätzliche Auflagen erfüllen müssen. Bei einer Bewährungsstrafe kommt es etwa häufig vor, dass die Opfer eine Geldzahlung an eine gemeinnützige Organisation tätigen müssen.

Wann liegt Stealthing vor?

Stealthing liegt vor, wenn entgegen der Absprache während des Geschlechtsverkehrs kein Kondom genutzt oder das Kondom abgezogen wird. Bei den Ermittlungen stellt sich für die Polizei und die Staatsanwaltschaft häufig das Problem, nachzuweisen, dass die Absprache bestand, ein Kondom einzusetzen. Entsprechend drehen sich die Ermittlungen im Wesentlichen darum, ob es gelingt, nachzuweisen, dass diese Abrede bestand. Im Rahmen der Beweiswürdigung sind die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

  • Aussagen: Die Grundlage der Entscheidung des Gerichts ist die Würdigung der Aussage der beteiligten Personen. Im Rahmen der Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Aussagen kommt es insbesondere darauf an, wie detailliert die Aussagen sind, ob die Aussagen widerspruchsfrei sind und ob eine Motivation besteht, zu lügen.
  • Indizien & Beweise: Außerdem berücksichtigt das Gericht im Rahmen der Entscheidung alle weiteren Indizien und Beweismittel, die zur Verfügung stehen. Wenn beispielsweise Personen direkt beim ersten Treffen miteinander schlafen, werten viele Gerichte dies als Indiz dafür, dass Sex mit Kondom vereinbart wurde, da andernfalls das hohe Risiko besteht, dass Krankheiten übertragen werden. Weitere Indizien sind beispielsweise WhatsApp-Nachrichten. Wenn die Personen am nächsten Tag darüber schreiben, wie schön der letzte Abend war, ist dies ein Indiz dafür, dass alles „absprachegemäß“ verlaufen ist. Entschuldigt sich stattdessen eine Person für den schlimmen Fehler am letzten Abend, ist dies ein Indiz dafür, dass es abredewidrig dazu gekommen ist, dass kein Kondom verwendet wurde.

Häufig gestellte Fragen

Welche Straftat liegt bei Stealthing vor?
Stealthing wird als sexueller Übergriff bestraft. In schwerwiegenden Fällen kommt auch eine Bestrafung wegen einer Vergewaltigung in Betracht.
Wann verjährt Stealthing?
Stealthing verjährt grundsätzlich nach 5 Jahren. In Ausnahmefällen – wenn eine Vergewaltigung vorliegt – verjährt Stealthing erst nach 20 Jahren.
Hat das Opfer bei Stealthing Anspruch auf Schmerzensgeld?
Beim Stealthing hat das Opfer einen Anspruch auf Schmerzensgeld in Höhe von mehreren tausend Euro. Wenn es zu weiteren gesundheitlichen Problemen kommt, kann das Schmerzensgeld deutlich höher ausfallen.
Ist es strafbar, das Kondom abzuziehen?
Wenn das Kondom beim Sex ohne Einverständnis der anderen Person abgezogen wird, liegt ein sexueller Übergriff vor.
Wie hoch ist die Strafe bei Stealthing?
Beim Stealthing erfolgt grundsätzlich eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe. Bei einer Bewährungsstrafe müssen Sie vorerst nicht in das Gefängnis, Sie müssen in einem solchen Fall nur in das Gefängnis, wenn Sie gegen die Bewährungsauflagen verstoßen.