Sexuelle Nötigung in der Ehe: Alles, was Sie wissen müssen
Das wichtigste in Kürze
- Die sexuelle Nötigung ist auch in der Ehe strafbar.
- Eine sexuelle Nötigung liegt bei sexuellen Handlungen gegen den Willen der betroffenen Person vor.
- Die sexuelle Nötigung in der Ehe wird mit einer Gefängnisstrafe zwischen einem und 15 Jahren bestraft.
Ist die sexuelle Nötigung in der Ehe strafbar?
Die sexuelle Nötigung ist auch in der Ehe strafbar. Im Sexualstrafrecht wird nicht dazwischen differenziert, ob eine Ehe besteht oder nicht. Allerdings wird erst seit 1997 in Deutschland nicht mehr danach differenziert, ob eine Ehe besteht oder nicht. Bis in das Jahr 1997 war eine sexuelle Nötigung im Rahmen der Ehe nicht strafbar. Damals enthielten die Straftatbestände den Zusatz „außerehelich“, entsprechend machte sich nur strafbar, wenn eine sexuelle Nötigung außerhalb der Ehe begangen wurde. Bis zu dieser Zeit wurde eine sexuelle Nötigung innerhalb der Ehe „nur“ als normale Nötigung, § 240 StGB, bestraft, welche allerdings einen deutlich geringeren Strafrahmen hat als die sexuelle Nötigung. Sollte es im Rahmen der sexuellen Nötigung innerhalb der Ehe zu schwerwiegenden Verletzungen gekommen sein, war auch eine Körperverletzung möglich.
Was ist die sexuelle Nötigung?
Die sexuelle Nötigung ist eine besonders schwere Form des sexuellen Übergriffs. Rechtlich gesprochen handelt es sich bei der sexuellen Nötigung um eine Qualifikation des sexuellen Übergriffs. Die Grundlage der sexuellen Nötigung ist also der sexuelle Übergriff, der die folgenden Voraussetzungen hat:
- Sexuelle Handlung: Es muss eine sexuelle Handlung vorliegen. Eine sexuelle Handlung liegt etwa bei einer sexuellen Berührung (z.B. den Intimbereich anfassen) oder auch beim sexuell motivierten Küssen vor.
- Entgegenstehender Wille: Dazu muss ein entgegenstehender Wille zum Ausdruck gebracht worden sein. Es ist nicht erforderlich, dass der entgegenstehende Wille gesagt wird, allerdings muss sich aus dem Verhalten des Opfers ergeben, dass der entgegenstehende Wille vorliegt.
- Vorsatz: Dazu muss der Täter mit Wissen und Wollen, also vorsätzlich handeln.
Die sexuelle Nötigung setzt neben dem Vorliegen des sexuellen Übergriffs voraus, dass eine weitere Qualifikation vorliegt. Das bedeutet konkret, dass neben einer der genannten Voraussetzungen eine weitere Tatvariante vorliegt:
- Gewalt: Es muss vor oder bei der sexuellen Handlung Gewalt eingesetzt werden.
- Drohung: Das Opfer muss mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben bedroht werden.
- Schutzlose Lage ausnutzen: Der Täter nutzt für seine Tat eine Lage aus, in der sich das Opfer nicht verteidigen kann.
Wie reagiert man bei Vorwürfen wegen sexueller Nötigung in der Ehe?
Wenn Ihnen eine sexuelle Nötigung von Ihrer Ehefrau oder Ihrem Ehemann vorgeworfen wird, sollten Sie unmittelbar einen Rechtsanwalt kontaktieren. Es besteht das sehr hohe Risiko, dass Sie bereits angezeigt wurden. In einer solchen Situation müssen Sie extrem vorsichtig sein. Selbst unverfänglich wirkende Nachrichten, z.B. eine Entschuldigung über WhatsApp können zu Ihrem Nachteil ausgelegt werden. Wenn Sie sich beispielsweise über WhatsApp bei Ihrer Frau für einen Fehler entschuldigen, wird die Entschuldigung teilweise als Schuldeingeständnis angesehen. Es ist extrem schwierig, solche Fehler später in der Verteidigung auszugleichen. Dazu sollten Sie auch die folgenden Tipps berücksichtigen:
- Keine Aussage: Sie sollten keine Aussage gegenüber der Polizei oder gegenüber der Staatsanwaltschaft machen. Ohne Akteneinsicht besteht das hohe Risiko, dass Sie sich mit Ihrer Aussage selbst belasten. Dazu kann die Aussage später ohne Probleme nachgeholt werden. Deshalb sollte eine Aussage nur nach guter Vorbereitung getätigt werden.
- Beweismittel: Sofern Sie Beweismittel haben, welche für Ihre Unschuld sprechen, sollten Sie diese unbedingt Ihrem Rechtsanwalt mitteilen. Entlastende Beweise sind einer der besten Wege, um eine Verurteilung zu verhindern. Besonders hilfreich sind Chatnachrichten, wenn Sie beispielsweise eine Nachricht erhalten haben, in der Ihnen geschrieben wurde, wie schön der letzte Abend war, dann ist es wenig glaubwürdig, wenn Ihnen die gleiche Person nun vorwirft, dass es an dem Abend zu einer sexuellen Nötigung gekommen ist.
Zentrales Element der Verteidigung ist eine umfassende Schutzschrift. In der Schutzschrift wird präzise herausgearbeitet, aus welchen Aspekten sich Ihre Unschuld ergibt. Das Ziel der Schutzschrift besteht darin, eine Einstellung der Ermittlungen zu erreichen.

